Rubin Ritter David Schneider Robert Gentz

Die Zalando-Macher Rubin Ritter, David Schneider und Robert Gentz

Zalando räumt auf

Der Online-Versender Zalando (www.zalando.de) hübscht sich auf. Dass das Berliner E-Commerce-Unternehmen mit der Idee eines Börsengangs spielt, ist bereits seit einer Weile bekannt. Dazu gehört auch, sich für die potenziellen Anleger schön zu machen, denn die Börse zwingt zu viel Transparenz. Und sie orientiert sich häufig an kurzfristigen Zielen. Geschäftsbereiche, die nicht oder noch nicht Erfolg versprechende Zahlen abliefern, werden da nicht gern gesehen.

Unter diesen Vorzeichen wird nun die erst zu Jahresanfang gestartete Tochter Emeza eingestellt, wie aus dem Umfeld des Unternehmens zu hören ist. Nicht sofort, so heißt es, die Geschäftstätigkeit werde langsam heruntergefahren. Ziel von Emeza war es, als Händler für Luxusartikel analog zu Zalando das obere Preissegment zu bedienen.

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Diese Kalkulation scheint nicht aufgegangen zu sein, künftig vertreibt das von Robert Gentz, David Schneider und Rubin Ritter geführte Unternehmen die Nobel-Marken im Premium-Segment von Zalando. Wie viele Mitarbeiter von der Schließung betroffen sind, ist noch unbekannt. Auch wenn Stellen intern neu zugeordnet werden, müssen dem Vernehmen nach einige Mitarbeiter das Unternehmen verlassen. Ob die Tochter nicht schnell genug die notwendige Traktion im Markt erreichen konnte, ob die Umsätze zu gering waren oder ob die Zwei-Shop-Strategie zu viel Komplexität mit sich brachte – mögliche Hintergründe gibt es viele.

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Auch der Webshop der Eigenmarke Kiomi, den Zalando als weiteres Vertical Ende Februar 2013 gelauncht hatte, wird eingestellt, wie das Unternehmen gegenüber Gründerszene bestätigte. Die Marke selbst soll dabei erhalten bleiben und weiterhin über Zalando vertrieben werden. Sie gehört künftig zu den „private Labels“, die von der Zalando-Tochter „zLabels“ gesteuert werden. Eigene Labels haben für den Online-Versender den großen Vorteil, dass mit ihnen deutlich attraktivere Margen erzielt werden können, da der Gewinn vollständig in die eigenen Kassen fließt.

Nach der Expansion stehen nun die Kosten im Fokus

Die Neuausrichtung weg von zusätzlichen Verticals hin zu einer breiter aufgestellten Marke lässt Zalando etwas überschaubarer werden – und für potenzielle Börsenanleger etwas greifbarer. Schon in den letzten Monaten hatte sich das Unternehmen intern umstrukturiert, namhaft hatte Chief Marketing Officer Christian Meermann Zalando im Sommer verlassen. Gerüchten über signifikante Abgänge im mittleren Management widerspricht das Unternehmen allerdings. Das Jahr 2013 scheint für Zalando also ein Jahr der Reflektion gewesen zu sein. So wurde etwa wenig in neue Märkte expandiert. Weil das Kosten spart, konnte man zuletzt auch das Erreichen der Gewinnschwelle und beachtliche Umsatzzahlen vermelden.

Gleichzeitig sah sich das Unternehmen erheblichen Vorwürfen konfrontiert, die die Arbeitsbedingungen in einem der Logistikzentren betrafen. Es war nicht das erste Mal, dass solche Schlagzeilen die Runde machten. Zalando versprach, sich der Vorwürfe anzunehmen. Schlechtes Licht warfen diese aber allemal auf das gut fünf Jahre alte Vorzeige-„Startup“.

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steigt bei Zalando ein

Ob nun tatsächlich bald ein Börsengang ansteht, wie es gerade die Wirtschaftswoche mutmaßte, sei noch nicht entschieden, heißt es von dem Unternehmen auf Nachfrage. Einen namhaften Exit hat es bei Zalando bereits gegeben: Der Gründungsinkubator Rocket Internet ist seit August (fast) nicht mehr beteiligt.

Die weitere Entscheidung über die Zukunft des E-Commerce-Unternehmens liegt nun hauptsächlich beim Großaktionär Investment AB Kinnevik, der mit 38 Prozent der Anteile größter Gesellschafter ist. Über ihren European Founders Fund sind die Samwer-Brüder weiterhin mit knapp 20 Prozent beteiligt, gefolgt von Asos-Miteigentümer Anders Holch Povlsen, dem zehn Prozent von Zalando gehören.

Bild: Zalando