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Hallo Marc, stelle dich bitte kurz vor.

Meine Name ist Marc Gumpinger. Ich bin CEO von Scoreloop und Research In Motions (RIM) Senior Director, Gaming Platform. Mit meinen zwei Partnern Dominik Westner und Christian van der Leeden habe ich Ende 2008 die Scoreloop AG gegründet und sie im Juni 2011 an RIM – also die Firma hinter BlackBerry – verkauft. Vor Scoreloop war ich Associate bei dem Venture-Capital-Unternehmen Target Partners. Target Partners (www.targetpartners.de) war mit Earlybird (www.earlybird.com) und dem Business-Angel Michael Brehm in Scoreloop investiert.

Kannst du erklären, was Scoreloop innovativ macht?

Das Innovative an Scoreloop ist, dass wir zusammen mit zwei Konkurrenten aus San Francisco, die praktisch zur gleichen Zeit gestartet haben, eine komplett neue Kategorie im Mobile-Gaming geschaffen haben – weltweit. Wir haben also kein bestehendes Konzept aus den USA kopiert, sondern ein neues geschaffen. Diese komplett neue Idee war so erfolgreich, dass sowohl Scoreloop wie auch unsere beiden Konkurrenten nach nicht einmal drei Jahren übernommen wurden.

Der inhaltliche Kern dieses Erfolgs liegt in der Einfachheit der Idee in Verbindung mit einem riesigen Markt: Mobile-Devices wie BlackBerry, iPhone oder Android-Geräte sind in aller Munde und weit verbreitet. Neben Email und Web ist einer der ganz wesentlichen Anwendungsfälle das Spielen. Das ist der riesige Markt.

Mobile Spiele waren vor Scoreloop jedoch rein für einen Spieler alleine gedacht. Alleine zu spielen ist jedoch gänzlich unnatürlich. Alle anderen Spiele, von Schach über Tischtennis bis Mensch-Ärgere-Dich-Nicht, spielt man mit oder gegen andere. Da die Integration von „anderen“ in ein Spiel auf mobilen Geräten jedoch technisch recht komplex ist und nicht zu den Kernkompetenzen der Spieleentwickler gehört, lizenzieren sie lieber unsere Technologie. Das ist die Einfachheit.

Diese Kombination aus riesigem Markt und einfachem Case hat Scoreloop innerhalb von zwei Jahren auf 115 Millionen User katapultiert. Kaum ein anderes Unternehmen in Europa ist dermaßen schnell gewachsen und hat derart viele User.

Im letzten Jahr schaffte es Scoreloop mit einem zweistelligen Millionenbetrag in die Top Ten der größten deutschen Exits. Wie kam es zu der Konstellation von Scoreloop und dem Käufer RIM und wie gestaltet sich seitdem die Zusammenarbeit?

Wegen unseres großen Wachstums und unserer internationalen Präsenz waren mehrere, jedem Leser gut bekannte, Unternehmen aus ganz unterschiedlichen Bereichen an Scoreloop interessiert. Ursprünglich wollten wir gar nicht verkaufen, weil wir gar keinen Grund dazu hatten. Letztendlich haben wir uns dann aber dafür entschieden, an RIM zu verkaufen, weil wir großes Potenzial darin gesehen haben, unsere Dienste direkt in ein mobiles Betriebssystem zu integrieren, um damit die beste Mobile-Gaming-Experience auf dem Markt zu schaffen.

Ich gehe davon aus, dass die Platform-Owner – also diejenigen Unternehmen, die die mobilen Plattformen kontrollieren – eine extrem wichtige Rolle in einem der größten Märkte aus IT, Entertainment und Enterprise spielen werden.

Als ihr mit Scoreloop 2008 gestart seid, standen im Mobile-Sektor alle Zeichen auf Apple und iPhone. Mittlerweile verrät nicht nur euer Spiele-Portfolio, dass Googles Android Apples iOS den Rang abläuft. Wie beurteilst du diese Entwicklung im Mobile-Markt?

Apple hat mit dem iPhone ein tolles Produkt auf den Markt gebracht, das viele Dinge sehr gut gemacht hat. Google hat nachgezogen und mit Android eine Umgebung geschaffen, die vor allem durch die Lizenzpolitik sehr schnell große Verbreitung erlangt hat. Gleichzeitig ist Google dabei, Motorola Mobile zu übernehmen und man wird sehen, inwieweit diese breite Lizenzpolitik danach bestehen bleibt. Gleichzeitig arbeitet Microsoft mit Windows Phone und Nokia als Hardware-Partner stark daran nachzuziehen.

RIM als einer der Erfinder des Smartphones steht mit Großem in den Startlöchern und ist neben Apple der einzige Player auf dem Markt, der sowohl das Betriebssystem wie auch die komplette Hardware-Plattform, die Services, die Beziehungen zu den Carriern sowie ein umfassendes Patent-Portfolio in einer Hand hält. Ich halte das für eine strategisch extrem wertvolle und schwer nachzubildende Position.

Wie man nicht zuletzt an den intensiven Patentkämpfen sieht, ist der Mobile-Markt nicht nur jetzt bereits groß, sondern dabei, noch viel größer zu werden. Dafür spricht auch die Evolution der IT-Branche ganz generell, bei der die vielen Kleineren immer die wenigen Großen gefressen haben: PCs fraßen die Mainframes, Laptops die PCs und jetzt fressen Handys und Tablets die Laptops.
Vor diesem Hintergrund kann ich mir gut vorstellen, dass wir es auf absehbare Zeit mit drei bis vier relevanten Playern in diesem Markt zu tun haben werden.

Vor Scoreloop warst du in der Venture-Capital-Szene aktiv. Wie sehr half dir deine VC-Zeit mit Scoreloop international erfolgreich zu sein und wie beurteilst du die aktuelle VC-Szene in Deutschland?

Die Zeit bei Target Partners hat mir extrem geholfen, einen Überblick über den Markt zu bekommen und mich gelehrt, schnell beurteilen zu können, was funktioniert und was nicht. Und genau diese Einschätzung lernt man nur in der Praxis, weil die Zusammenhänge, die zum Erfolg führen, letztendlich viel zu komplex und dynamisch sind.

Die Zeit als VC hat mir auch dabei geholfen, in größeren Maßstäben zu denken. Wir hier in Deutschland und ehrlich gesagt in Europa allgemein neigen zu sehr zur dezenten Zurückhaltung. Während ich das in vielen Bereichen wie zum Beispiel dem Privatleben sehr sympathisch finde, gilt für mich im Business genau das Gegenteil: Die Welt ist der Markt – end of story. Und um im Weltmarkt erfolgreich zu sein und das auch noch in einem so schnellen und aggressiven Markt wie Mobile, braucht man potente Partner für die Finanzierung des Wachstums.

Das ist ein ganz wichtiges Verständnis: Eine Partnerschaft mit einem VC geht man nicht ein, um das Risiko zu streuen oder gar, weil man selbst nicht so recht an seine Sache glaubt. Als Gründer nimmt man einen VC an Bord, weil man so überzeugt von seinem Unternehmen ist und es bereits im Kleinen wächst wie wild, so dass man das zusätzliche Eigenkapital als Faktor sieht, der diesen Erfolg im Kleinen multipliziert. Und unter dieser Perspektive ist es auch vollkommen legitim, Anteile abzugeben, denn vom vergrößerten Erfolg haben dann auch alle etwas – vor allem die Gründer. Was aber nicht heißt, dass man alle Terms der VCs annehmen sollte ;-)

Was die VC-Szene in Deutschland angeht, kann ich nur sagen, dass wir extrem gut aufgestellt sind. Während Scoreloop habe ich mit vielen europäischen VCs und mit nahezu allen relevanten VCs aus dem Silicon Valley die Sand Hill Road rauf und runter gesprochen. Und ich kann nur sagen: Ich bin wirklich stolz, dass wir hier in Deutschland richtig kompetente und potente VCs haben. Dieses Glück haben die Gründer in nur wenigen Ländern.

Was die Gründerszene in Deutschland angeht, so würde ich mir wünschen, dass von hier aus größer und mutiger gedacht wird und nicht nur bestehende Konzepte (vor allem aus den USA) kopiert werden. Ich habe großen Respekt vor jedem Unternehmenserfolg der Clones — aber ich bin der Meinung, wir können mehr!

Marc, vielen Dank für das Gespräch!