Project A Popdust

Bereits fünf Investments hat der junge Company-Builder Project A Ventures (www.project-a.com) in diesem Jahr getätigt, nun folgt mit dem US-amerikanischen Popdust auch die erste Finanzierung auf einem anderen Kontinent. Doch was sind die Hintergründe der Transaktion? Will Project A womöglich die Aufmerksamkeit amerikanischer VCs erregen, um perspektivisch zum internationalen Rollout-Helfer zu werden?

Project A: Popdust als US-Sprungbrett?

Den meisten deutschen Internetbegeisterten dürfte das US-Startup Popdust (www.popdust.com) noch unbekannt sein. Der Dienst aus New York will in der internationalen Popmusik-Szene Staub aufwirbeln und bietet dafür ein Informationsportal rund um das Thema an. Popdust ist rund ein Jahr alt und dürfte anstreben, die relevanteste Destination-Site für das Thema Popmusik zu werden. Dazu kooperiert das Unternehmen mit bekannten Künstlern und greift auf Unique-Content zurück, den es mit einem E-Commerce-Ansatz verknüpft, indem Popdust Kleidung, Schuhe, Schmuck und Accessoires verkauft.

Bereits auf eine Million Unique-User will es Popdust bringen und konnte so neben Project A nun New Enterprise Associates (NEA, www.nea.com), RRE Ventures (www.rre.com) und SoftBank Capital (www.softbank.com) von sich überzeugen, die in einer Series A insgesamt 4,5 Millionen US-Dollar investierten. Freilich hat gerade Zalando-Experte Florian Heinemann den Amerikanern einiges in Sachen E-Commerce-Know-how zu bieten, während sich mit den Bekannten Protagonisten auf Popdust womöglich auch relevante Nutzeranzahlen durch relevanten Content generieren lassen. Gleichzeitig ist das Geschäft der Celebrity-Berichterstattung hart umkämpft und Verknüpfungsversuche von redaktionellen Inhalten und Shoppingansätzen gab es bereits einige.

Für Project A dürfte Popdust daher vor allem interessant sein, um sich bei amerikanischen Lead-VCs einen Namen zu machen und die eigene internationale Bekanntheit zu steigern. Auch die Samwers bekamen in der Vergangenheit einiges an Visibilität in den USA, als sie in Facebook investierten. Insofern hat Project A womöglich von den besten gelernt. Auf Anfrage von Gründerszene räumt Project-A-Geschäftsführer Christian Weiß ein: “Popdust verknüpft auf attraktive Weise Content-Formate mit Commerce-Ansätzen und bietet durch seine Thematik viel versprechende Wachstumsraten. Natürlich ist die Zusammenarbeit mit Popdust für uns aber auch ein attraktives Format, um internationale Kooperationen auszutesten.” Ob in dieser Richtung mehr von Project zu erwarten ist, wollte Weiss hingegen nicht verraten.

Was wird aus dem A-Team?

Bereits fünf Investments hat das vierköpfige A-Team in gut fünf Monaten Bestehen bisher aufzuweisen und partizipierte so an folgenden deutschen Startups:

Nachdem nun auch auf dem amerikanischen Kontinent investiert wird, stellt sich wiederum die Frage: Welche Strategie verfolgt Project A? In einem ersten Insiderblick auf das Projekt von Christian Weiß, Florian Heinemann, Thies Sander und Uwe Horstmann konnte Gründerszene bereits feststellen, dass die Berliner neben ihren Investments auch Eigengründungen an den Start bringen wollen – sowohl zu strategischen Themen, die dem Inkubator beim Firmenaufbau helfen, als auch zu Endkundenformaten.

Bisher bleiben diese Eigengründungen allerdings aus. Stattdessen wurde bei Project A bisher auf Investments in semi-spannende Startup-Themen zu wohl überschaubaren Bewertungen gesetzt, die in erster Linie dazu dienen dürften, ein gewisses Grundrauschen zu erzeugen, mit dem sich das Otto-Investment wieder einfahren lässt. Vermutlich wird Project A an ein oder zwei strategischen Themen im Marketing- und im Shop-Bereich basteln, die der Company-Builder dann nutzen wird, um selbst Gründungen voranzutreiben. Daneben erweckt das Investment in Popdust aber auch den Eindruck, dass Project A einen ähnlichen kooperativen Ansatz wie Springstar verfolgen könnte.

Will auch Project A zum Rollout-Helfer werden?

Für Project A dürfte die Finanzierung von Popdust wohl vor allem auch attraktiv sein, da sich der deutsche Company-Builder somit auf dem Radar der US-amerikanischen VC-Landschaft positionieren kann. In der Popdust-Pressemitteilung zum Thema wird Project A als “international investment firm and company builder” bezeichnet und soll die Berliner womöglich besonders mit dem letzten Teil salonfähig für US-Venture-Capitalists machen.

Schon Springstar (www.springstar.com), der Inkubator von Klaus Hommels und Oliver Jung, machte es in der Vergangenheit zu seinem Geschäftsmodell, Unternehmen zu klonen, um dann für deren Vorbilder die Internationalisierung des Dienstes auszurollen. So bastelt Springstar nun am weltweiten Rollout der Privatunterkunftvermittlung Airbnb (www.airbnb.de) und verkaufte seinen Design-Shoppingclub Casacanda (www.casacanda.com) an das US-Vorbild Fab. Das Prinzip: Lieber einen kleinen Teil am großen Vorbild, als einen großen an der geschaffenen Eigenmarke, die sich von Beginn an in einem harten Wettbewerb befindet.

Häufig liegt dieser Regelung allerdings eine so genannte Strike-Price-Regelung zugrunde, dies bedeutet, dass der jeweilige Company-Builder nur an jener Wertschöpfung wirtschaftlich partizipiert, zu der er auch beigetragen hat. Wenn das eigene Klon-Vorbild schon einen Wert von 50 Millionen Euro vorweist und drei Jahre später für 100 Millionen verkauft wird, partizipiert der Company-Builder nur prozentual an der geschaffenen Wertsteigerung von 50 Millionen. Generell können auch so genannte Liquidation-Preferences zum Tragen kommen, das heißt bestimmte Parteien erhalten im Falle eines Exits eine Vorzugsbehandlung und werden als erstes ausgezahlt.

Der internationale Rollout eines großen Unternehmens ist für einen Company-Builder folglich vor allem interessant, da dieses Konstrukt mehr Sicherheit bietet, was zuweilen leicht auf Kosten der erwartbaren Gewinnausbeute gehen dürfte – oder etwas profaner: Mehr Risiko, höherer Multiple. Vor allem ist ein solches Konstrukt ein probater Weg für potenziell international agierende Unternehmen wie Project A, um Erfahrungen und Know-how in Kooperation mit den eigenen US-Vorbildern zu sammeln, während diese die gemeinsame Zusammenarbeit auch an andere Akteure des Silicon Valleys herantragen und somit zum Aushängeschild werden. Man darf also gespannt sein, ob Popduster oder ein NEA-Portfolio-Unternehmen demnächst seine Internationalisierung an Project A vergibt.