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Airbnb-Mitgründer Brian Chesky stellt die Airbnb-Revolution vor

Es ist – so sagt es das Unternehmen selbst – die wichtigste Weiterentwicklung in der achtjährigen Firmengeschichte von Airbnb: Das US-Unternehmen, inzwischen 30 Milliarden US-Dollar wert, erweitert sein Angebot. Neben Unterkünften können Kunden in Zukunft auch Erlebnisse und Touren buchen.

Die Airbnb-App wird dafür komplett umstrukturiert. Unter dem Label „Trips“ bietet sie nun „Experiences“, „Places“ und „Homes“. Die letzte Kategorie enthält das bisherige Airbnb-Angebot. Unter „Places“ bieten Nutzer etwa Insider-Reiseführer oder Audio-Touren. Die spannendste Neuerung ist „Experiences“ – hier können Erlebnisse gebucht werden, Salsa tanzen in Los Angeles etwa oder Trüffel sammeln in der Toskana. Zum Start gibt es 500 Angebote in zwölf Städten, darunter Los Angeles, Havanna, Paris oder Seoul. 2017 sollen es schon 50 Städte sein, dann wird auch Berlin als erste deutsche Stadt darunter sein.

„Experiences“ ist damit auch ein Frontalangriff auf die etablierten Erlebnisanbieter. Zu den wichtigsten gehören die TripAdvisor-Tochter Viator, Expedia, dazu jüngere US-Startups wie Peek.com, Zozi und IfOnly. In Deutschland teilen sich bislang Jochen Schweizer, die ProSiebenSat1-Tochter MyDays und das vor einem Jahr mit 50 Millionen US-Dollar finanzierte GetYourGuide den Markt auf, daneben gibt es noch kleinere Anbieter wie Jollydays, Meventi, Rent-a-Guide oder Einmalige-Erlebnisse.de.

„Airbnb hat sich mit dem Erlebnismarkt den richtigen Markt herausgesucht“, glaubt Christoph Kruse vom Berliner Startup Bookingkit, das eine Buchungssoftware für Erlebnisunternehmer anbietet. „Der Markt ist zwei bis drei Mal so groß wie der Mietwagenmarkt und immer noch massiv unterschätzt. Aber weil er so fragmentiert ist, lässt er sich von außen eben nicht so leicht angehen.“

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Was es für die etablierten Marktteilnehmer bedeuten kann, wenn Reisegigant Airbnb in das Geschäft vorstößt, erklärt Kruse: „Der Markt der Erlebnisportale hat sich schon stark differenziert.“ Die meisten Anbieter hätten sich ihre Lücke gesucht. „Wer aber keine gute Marke oder besondere Spezialisierung vorweisen kann, der gerät angesichts der neuen Player wie Expedia, TripAdvisor oder Airbnb unter Druck.“

Airbnb könnte die Anbieter nicht nur mit seiner starken Marke, sondern auch auf der Einnahmenseite in Schwierigkeiten bringen. Die Anbieter sollen dem US-Unternehmen eine Provision von 20 Prozent zahlen – laut Brancheninsidern liegt die Provision bei Anbietern wie Jochen Schweizer oder MyDays eher höher. Üblich sind demnach mindestens 25 Prozent, in Einzelfällen bis 40 Prozent.

Jochen Schweizer, der Ex-DHDL-Investor und Chef des gleichnamigen Erlebnisunternehmens, sieht den neuen Konkurrenten jedoch nicht als Bedrohung. „Im Gegenteil, wir finden es großartig, dass nun auch endlich Unternehmen wie Airbnb die Wichtigkeit von Erlebnissen und das Marktpotenzial erkannt haben.“ Gegenüber Gründerszene gibt sich Schweizer überzeugt: Mit der Übernahme von Spontacts und Investments in Regiondo oder Hip Trips habe man sich „strategisch so positioniert“, dass der Weg zur Marktführerschaft in Europa und „später in der Welt“ quasi vorgezeichnet sein.

Für Airbnb ist „Trips“ übrigens nur der Anfang. Das Erfolgsunternehmen hat den festen Plan, vom Unterkunftsvermittler zum Reise-Rundumanbieter zu werden. Schon jetzt ist es möglich, über „Places“ auch Tische in empfohlenen Restaurants reservieren. Bald kommen Buchungen von Flügen und Mietwagen hinzu, dazu Extras wie Lebensmittellieferungen in die Airbnb-Unterkunft. Ganz freiwillig dürfte die Produktdiversifizierung nicht geschehen: Airbnb steht mit seinem Unterkunftsgeschäft in allen möglichen Städten unter zunehmendem politischen Druck – die neuen Produkte verringern die Abhängigkeit von nur einem Geschäftszweig.

Bild: Airbnb