Auctionata: Von Berlin nach New York und Hongkong

Gegründet 2012, zählt das Online-Auktionshaus Auctionata, das sich selbst als den „Erfinder der Online-Live-Auktion“ bezeichnet, mittlerweile zu den schnellstwachsenden Startups in Deutschland. Im April pumpten alle Altinvestoren – darunter auch Holtzbrinck Ventures, E.Ventures und Earlybird – insgesamt 21,5 Millionen Euro in das Berliner Unternehmen, das im vergangenen Jahr 12 Millionen Euro umsetzte und Gerüchten zufolge schon bald an die Börse gehen soll. 

Neben einem Online-Shop für Kunst und Antiquitäten bietet Auctionata seit Mai 2013 mehrmals wöchentlich Live-Auktionen aus dem eigenen TV-Studio in Berlin. Über 200 Mitarbeiter arbeiten mittlerweile in den zwei Büros in der Hauptstadt. Noch in diesem Jahr soll ein weiterer Standort in New York eröffnet werden, kurz danach soll die Expansion nach Hong Kong folgen.

Der österreichische Kunstexperte und ehemalige Ebay-Powerseller Alexander Zacke hat Auctionata gemeinsam mit Georg Untersalmberger gegründet. Im Interview erzählt er, was mit den vielen Millionen passiert, wieso Kunden statt bei den traditionellen Auktionshäusern Sotheby’s und Christie’s über Auctionata Kunst verkaufen und kaufen und wie die Live-Auktionen noch weiter optimiert werden sollen.

Herr Zacke, Auctionata hat vor einigen Wochen 21,5 Millionen Euro eingesammelt. Was passiert mit dem Geld?

Es gibt verschiedene neue Projekte, in die wir investieren werden. Unter anderem möchten wir das Erlebnis der Auktionen für unsere Kunden weiterentwickeln, um sie noch spannender und interaktiver zu machen. Dafür werden wir beispielsweise eine Technologie entwickeln, die ähnlich wie Google Hangouts funktioniert, mit der sich die Zuschauer während einer Live-Auktion zuschalten können.

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Einen Teil werden wir in die Marke Auctionata investieren, um uns als Premium-Marke im Online-Kunstmarkt zu etablieren. Außerdem wollen wir in unseren neuen Standort in New York investieren, um ab Herbst 2014 Online-Live-Auktionen aus unserem TV-Studio in den USA weltweit zu übertragen. Allgemein sind in unserer Branche die Umsätze vor allem von den wiederkehrenden Kunden abhängig, deswegen unternehmen wir viel im Bereich CRM.

Ist es richtig, dass auch in Hongkong ein neuer Standort mit eigenem TV-Studio geplant ist?

Ja. Es wird sicherlich noch dieses Jahr den Deal dazu geben, aber wann wir launchen, ist noch nicht klar. Erst einmal beschäftigen wir uns intensiv mit den USA.

Auch jetzt schon können Menschen aus allen Ländern bei den Live-Auktionen von Auctionata mitbieten oder im Auctionata-Shop einkaufen. Woher kommen die meisten Käufer?

Die Herkunft unserer Käufer entspricht fast der traditionellen Verteilung im Kunstmarkt: Üblicherweise wird 30 Prozent der Kunst jeweils in den USA, Europa und Asien verkauft und der Rest irgendwo anders in der Welt. Als in Berlin ansässiges Unternehmen haben wir natürlich ein leichtes Übergewicht in Deutschland – 20 bis 25 Prozent der Objekte werden hier verkauft. Der Rest wird aber nach der traditionellen Verteilung verkauft.

Und woher kommen die Verkäufer?

Ein großer Teil unserer Verkäufer kommt aus dem Einzugsgebiet von Berlin, aber wir haben auch viele internationale Kunden. Die meisten kommen ebenfalls aus den Städten, in denen wir regionale Büros haben, also aus Zürich, Rom, New York oder London. Es ist am einfachsten, Kunst zu akquirieren, wenn man ein Büro in der Nähe hat. Das ist auch ein Grund, warum wir nach New York und Hong Kong expandieren.

Sind Auctionata-Kunden sehr treu?

Definitiv. Wir haben 50 Prozent wiederkehrende Kunden.

Der Kunstmarkt boomt derzeit, Kunstwerke wurden in den letzten Jahren zu Rekordpreisen versteigert. Hätte Auctionata auch ohne diesen Kunstboom funktioniert?

Definitiv nicht. Es ist tatsächlich ein Fakt, dass die Investitionen im Kunstbereich enorm gestiegen sind. Und diese Tatsache ist der entscheidende Faktor für den Erfolg von Auctionata. Das war sogar einer der entscheidenden Gründe, warum ich Auctionata gegründet habe.

Auctionata konkurriert mit den traditionellen Auktionshäusern wie Sotheby’s und Christie’s. Wieso verkaufen Menschen ihre Kunst über Auctionata?

Es gibt letztlich drei Gründe, warum Kunden mit uns verkaufen: Erstens schätzt Auctionata besonders schnell und besonders präzise. Details zu der Technologie kann ich aber nicht verraten. Zweitens haben wir mehr als 70,000 registrierte Bieter aus 100 Ländern und können unsere Objekte daher einem globalen Publikum anbieten. Drittens bieten wir unseren Kunden einen exzellenten Service: Von der Abholung über Fotografie, Katalogisierung und Überweisung des Verkaufsbetrags soll der Kunde in jedem Moment wissen, wo er bei uns steht.

Wie sieht die Zielgruppe von Auctionata aus?

Die Zielgruppe von Auctionata ist sehr vielschichtig. Bei den Kunden hat man alles jenseits der 30 Jahre – alle Berufe, alle Einkommensstufen. Es ist erstaunlich, wie breit unsere Zielgruppe ist und wie gering die Berührungsängste mit dem Online-Kunsthandel sind, gerade bei denen, die wirklich wohlhabend sind. Unsere Hauptzielgruppe ist zwischen 40 und 45 Jahre alt. Die zweitgrößte Zielgruppe ist über 65 Jahre.

Auf der Verkäuferseite ist es einfacher: Die meisten Kunstwerke werden an die Frauen in der Familie vererbt, deswegen ist der Anteil weiblicher Einlieferer deutlich höher als auf der Käuferseite.

70 Prozent des Umsatzes setzt Auctionata mit den Live-Auktionen um, 30 Prozent mit dem Shop. Soll das Verhältnis so bleiben?

Es zeigt sich, dass der Shop sehr stark wächst, speziell am deutschen Markt und besonders im Bereich Einrichtung. Wenn ich tippen müsste, würde ich sagen, dass das Verhältnis bald mal fünfzig-fünfzig sein wird.

Wie groß ist der durchschnittliche Warenkorb?

Für unsere Kunden ist eher der durchschnittliche Preis der verkauften Objekte von Bedeutung. Im Shop liegt er bei 1000 Euro, in den Auktionen ist er allerdings höher. Da liegt er zwischen 3000 und 5000 Euro.

Wie viele Schätzungen macht Auctionata wöchentlich?

Wir bearbeiten derzeit etwa 5.000 Schätzungsanfragen pro Monat. In diesem Jahr mussten wird den Eingang schon zweimal drosseln, weil wir mit den Schätzungen nicht mehr hinterherkamen.

Wie viele der geschätzten Objekte sind dann tatsächlich wertvoll?

Diese Frage lässt sich nur schwierig anhand von Zahlen beantworten. Wir müssen alle eingelieferten Werke genau prüfen, denn unser größtes Ziel ist es, ein wirklich wertvolles Kunstwerk herauszufiltern.

Haben Sie Angst davor, dass Sie ein wertvolles Kunstwerk übersehen?

Ich kann mir keine größere Angst vorstellen. Deswegen wollen wir den Prozess verbessern und effizienter machen und dabei skalierbar halten. Wenn ich ein wertvolles Objekt nämlich nicht entdecke, dann habe ich ein systemisches Problem. Darum legen wir viel Wert auf eine ständige Optimierung des Prozesses.

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Wer schätzt den Wert der Kunstwerke?

Die hochgeladenen Fotos werden den jeweiligen Experten bei uns im Unternehmen zugeordnet. Die Experten beurteilen, welches Kunstwerk es wert ist, genauer begutachtet zu werden. Ausgewählte Objekte werden herangeholt und von unseren In-house-Experten aufgearbeitet. Wenn diese noch irgendeine Frage haben, greifen sie noch einmal auf unser Experten-Netzwerk zurück. Es gibt also nichts auf unserer Seite, was nicht im Original geschätzt wird. Das wirkt sich auch auf unsere Retourenquote aus, die liegt gerade einmal bei ein Prozent.

Die ersten fünf Schätzungen sind für Ihre Kunden kostenfrei, danach verlangt Auctionata für jede Schätzung Geld.

Das wollen wir im vierten Quartal ändern. Die Zahl der kostenfreien Schätzungen wird dann nicht mehr limitiert sein. Man kann dann so viele Kunstwerke schätzen lassen, wie man möchte, ohne dass es etwas kostet. Dafür gehen wir dann bei den weniger wertvollen Sachen nicht mehr ins Detail.

Würde es Auctionata sehr schaden, wenn sich ein wertvolles Kunstwerk einmal als Fälschung entpuppt?

Ja, uns werden auch sehr viele Fälschungen angeboten. Aber wir nehmen nur Objekte an, die wirklich eindeutig Originale sind. Wir können es uns leisten, ein Bild im Zweifel abzulehnen, wenn wir uns unsicher sind.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Zacke. 

Bild: Auctionata