Till Faida - CEO Eyeo GmbH - Adblock Plus (1)

Eyeo-CEO Till Faida

Eyeo aus Köln ist ein Unruhestifter – und eine Riese in seiner Branche. Der Werbeblocker Adblock Plus des von Till Faida und Wladimir Palant gegründeten Unternehmens wurde nach eigenen Angaben bisher 500 Millionen Mal heruntergeladen.

Mit der Browsererweiterung Adblock Plus können Nutzer Werbung im Internet blockieren. Eyeo lässt jedoch Werbeanzeigen zu, die nach Auffassung des Unternehmens „akzeptabel“ sind. Diese landen dann auf einer sogenannten Whitelist. Manche Werbetreibenden zahlen Geld, damit das Kölner Unternehmen ihre Werbung freischaltet. Es ist ein Konzept, das besonders Unternehmen bitter aufstößt, die auf Einnahmen durch Werbeanzeigen angewiesen sind.

2013 wurden Vorwürfe der Vetternwirtschaft und „mafiöse Verbindungen“ laut. Eyeo weist diese Kritik von sich. Fünf Mal habe sich sein Unternehmen bereits vor Gericht mit Verlagen gestritten, weitere Verfahren mit der Axel Springer SE laufen noch, erzählt Faida gegenüber Gründerszene.

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Neuerdings liefert sich Eyeo zudem einen Kleinkrieg mit Facebook. Das soziale Netzwerk hat seinen Code so angepasst, dass auch die Nutzer der Browsererweiterung die eigentlich herausgefilterte Werbung wieder sehen können.

Wir haben uns mit Eyeo-Mitgründer Till Faida in Köln getroffen und mit ihm über sein Unternehmen gesprochen.

Till, Facebook hat offenbar ein Problem mit Adblock Plus. Was hältst Du von der Weigerung des sozialen Netzwerkes, Werbung durch Eure Browsererweiterung blockieren zu lassen?

Facebook versucht Nutzern, die mit installiertem Adblocker surfen, gegen ihren Willen Werbung anzuzeigen. Dieser Versuch ist nichts Neues – seitdem es Spam-Filter gibt, versuchen Spammer, diese zu umgehen. Facebooks Anti-Nutzer-Verhalten spiegelt sich besonders jetzt in der Situation des Katz-und-Maus-Spiels wieder. Denn wie sich bereits gezeigt hat, reagiert die Open-Source-Community immer sehr schnell darauf, jeden Umgehungsversuch wieder auszuhebeln. Wir konzentrieren uns stattdessen lieber auf das Acceptable-Ads-Programm, denn eine wirklich nachhaltige Lösung kann nicht gegen, sondern nur mit dem Einverständnis der Nutzer funktionieren.

In der Vergangenheit habt Ihr Euch mit einigen deutschen Verlagen vor Gericht gestritten, Verfahren mit der Axel Springer SE laufen noch. Dabei entschied ein Gericht vor Kurzem, dass Euer Whitelisting so nicht zulässig ist. Was bedeutet das für Euch?

Das Blockieren von Online-Werbung und auch unser Whitelisting sind in ihrer Zulässigkeit von dem Gericht, wie bereits in allen Verfahren zuvor auch, wieder einmal bestätigt worden. Lediglich bei einigen Details bezüglich der Bezahlung gibt es aufgrund von falschen Darstellungen seitens der Klägerin in diesem Fall weiteren Diskussionsbedarf, der nun in der nächsten Instanz weiter geführt wird. Für uns ändert das absolut nichts, denn es sind nur die Seiten von Springer betroffen und generell ist der deutsche Markt für uns und unser Geschäftsmodell sowieso nicht besonders relevant, da fast alle deutschen Websites nicht in die Kategorie der großen zahlenden Kunden fallen.

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In dem Urteil geht es um Euer Whitelisting, also darum, dass die Werbung von Unternehmen auf dieser Liste gezeigt wird und sie dafür zahlen. Was sagst Du zu dem Vorwurf, dass sich Unternehmen einen Platz auf dieser Liste erkaufen können?

Niemand kann sich den Platz auf der Whitelist erkaufen. Die Kriterien für akzeptable Werbung müssen erfüllt werden, das gilt für alle Teilnehmer. Für die Zertifizierung zahlen nur Unternehmen, die einer gewissen Größenordnung angehören. Für uns sind das große Unternehmen oder Publisher, Webseiten, die mehr als 10 Millionen Ad-Impressions pro Monat an unsere Nutzer ausliefern. Sie zahlen eine Lizenzgebühr für Services, die zur Zertifizierung gehören. Für alle anderen, das sind derzeit mehr als 90 Prozent, ist der Service komplett kostenlos.

Diese Gebühr beträgt 30 Prozent der Einnahmen, die die Unternehmen generieren, in dem ihre Werbung von Euch freigeschaltet wird. Was für Services bietet Ihr als Gegenleistung?

Die Gebühr beinhaltet die technische Freischaltung, das Monitoring oder auch das Messen der Mehreinnahmen durch die Freischaltung.

Ihr werdet für die Gebühr kritisiert, manche sehen sie als Erpressung an.

Wir verlangen die Lizenzgebühr, weil es ein Service ist, den wir erbringen. Der einerseits mit Aufwand seitens Eyeo verbunden ist und andererseits messbare und signifikante Mehreinnahmen bei unseren Partnern generiert. Wie jede andere Firma auch, die einen Service erbringt, müssen Firmen, die diesen in Anspruch nehmen, ihn auch bezahlen. Jeder, der mit uns zusammenarbeitet, profitiert schließlich davon und verdient am Ende mehr als vorher.

Werbe-Blocker: Das wackelige Geschäftsmodell von Adblock Plus

Das wackelige Geschäftsmodell von Adblock Plus

Adblocker Eyeo lebt vom Werbegeschäft der Publisher. Doch auch das eigene Geschäftsmodell gerät mehr und mehr unter Druck.

Klar verdienen sie am Ende mehr als vorher, weil ihre Werbung durch Euch zuvor geblockt wurde. Ihr kreiert also Probleme und helft dann, sie zu beseitigen.

Dass wir für große Websites einen signifikanten Mehrwert schaffen und diesen vergüten lassen, finde ich vollkommen normal. Ich glaube, dass das, was Websites Geld kostet, Werbung ist, die beim Nutzer nicht funktioniert. Die Nutzer haben immer die Möglichkeit, ungewollte Werbung abzuschalten. Es gibt tausende Adblocker und unterschiedliche Lösungen, wie man ungewollte Werbung umgehen kann. Unser Mehrwert ist der, dass wir aus inzwischen fünfjähriger Erfahrung wissen, wie man diese verlorenen Nutzer wieder erreichen kann. Der Vorwurf, wir würden erst einen Schaden verursachen, um ihn dann zu beseitigen, ist absolut unzutreffend.

Bild: Eyeo; Hinweis: Axel Springer ist Gesellschafter der Vertical Media GmbH, dem Medienhaus von Gründerszene, und befindet sich derzeit in Rechtsstreit mit der Eyeo GmbH. Weitere Informationen zur Vertical Media GmbH hier: WWW.VMPUBLISHING.COM.

Bitte wenden – „Sollte es Adblocker überhaupt geben?“

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