Die HTGF-Geschäftsführer beim Family Day in diesem Sommer: Alexander von Frankenberg (Mitte) und Michael Brandkamp (rechts daneben)

Der High-Tech Gründerfonds (HTGF) ist einer der aktivsten VCs Europa. Dabei beteiligt sich der in Bonn sitzende Risikokapitalgeber überwiegend an sehr jungen Tech-Unternehmen. Die zwei Fonds des HTGF haben ein Gesamtvolumen von 576 Millionen Euro – und sind zum Großteil mit Steuergeldern ausgestattet.

Nun hat der HTGF bekannt gegeben, dass er seine initialen Investments von bisher höchstens einer halben Million Euro auf 600.000 Euro aufstockt. „Es gibt zunehmend mehr Startups, die bereits in der Seed-Phase mehr Geld brauchen“, begründet HTGF-Geschäftsführer Alexander von Frankenberg die Entscheidung gegenüber Gründerszene. „Zum einen, um möglichst schnell durchzustarten. Das sind dann meistens erfahrene Unternehmer, die bereits gegründet haben und direkt loslegen wollen.“ Außerdem gebe es immer mehr Unternehmen aus Bereichen wie Bio-Tech oder Maschinenbau, die bereits in der Anfangsphase mehr Geld benötigten – beispielsweise für Prototypen.

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Der Anteil, den die Gründer im Gegenzug für das Investment abgeben müssen, wird weiterhin maximal 15 Prozent betragen, je nach Investmenthöhe. Weiter: Die Verzinsung des Darlehens wird von zehn auf sechs Prozent gesenkt. Außerdem werden die Zinsen weiterhin vier Jahre lang gestundet. Das geschehe, um die Liquidität des Jungunternehmens zu schonen. Zu weiteren Hintergründen für die neuen Konditionen gibt sich von Frankenberg bedeckt. „Der Hauptgrund für die Änderung der Konditionen ist eindeutig der Markt. Es geht nicht darum, dass wir das Geld nicht loswerden. Im Gegenteil.“ Die beiden Fonds seien sehr groß, es sei ausreichend Geld für Seed- und Anschlussfinanzierungen da.

Seit 2005 investiert der HTGF bis zu eine halbe Million pro Startup, aber: „Diese Summe nicht mehr das ist, was sie mal war“, findet von Frankenberg. Das habe unter anderem mit der Abwertung des Geldes in den vergangenen Jahren zu tun. Bis zu 1,5 Millionen Euro stehen weiterhin als Anschlussfinanzierung zur Verfügung.

Vor Kurzem stand die Investmentstrategie vom HTGF in der Kritik. Einem Bericht des Manager Magazins im September dieses Jahres zufolge, schreibt der HTGF seit seiner Entstehung jedes Jahr Verluste, die Exit-Erlöse ließen aufgrund einer hohen Ausfall-Rate zu wünschen übrig. Von dem Ziel, die 240 Millionen Euro des Bundes aus dem ersten Fonds bis 2017 wieder zu erwirtschaften, sei der Investor noch weit entfernt. Zu den Vorwürfen möchte sich von Frankenberg sich nicht äußern. „Ich kann nur so viel sagen: In den vergangenen zehn Jahren haben wir 420 Investments getätigt, 107 davon waren Ausfälle. Wir empfinden das als nicht übermäßig hoch“, betont der HTGF-Chef.

Deshalb bereite ihm die nächste Evaluierung durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie, die 2016 stattfindet, auch keine Kopfschmerzen: „Bei uns sind die Evaluierungen Standard. Die gab es schon bei unserem ersten Fonds. Wir machen uns da keine Sorgen.“

Bild: High-Tech Gründerfonds Management GmbH