Fraugster founders Max and Chen

Die Fraugster-Gründer Max Laemmle (CEO) und Chen Zamir (CTO)

Betrugsfälle bei Geld-Transaktionen sind im Netz ein ernstzunehmendes Problem. Der Gesamtschaden im Jahr 2015 soll bei rund 16 Milliarden Dollar liegen. Das deutsch-israelische Startup Fraugster hat zur Prävention eine künstliche Intelligenz entwickelt, die Betrüger von normalen Kunden unterscheiden soll. Für die Anti-Fraud-Software hat das Unternehmen mit Hauptsitz in Berlin nun fünf Millionen Dollar von Investoren erhalten.

Die aktuelle Runde wird von dem bekannten VC Earlybird angeführt, der sich unter anderem auch an dem Umzugsportal Movinga beteiligte. Die anderen beiden Investoren Speedinvest und Seedcamp hatten bereits in einer früheren Runde im Januar 2016 in das KI-Startup investiert. Über die Höhe des damaligen Investments wollte sich das Startup zu dem Zeitpunkt nicht äußern. Mitgründer Max Laemmle bestätigte jetzt allerdings gegenüber Gründerszene, dass es sich schon vor einem Jahr um eine siebenstellige Finanzierung gehandelt habe.

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Das seit zehn Monaten aktive Startup mit einem weiteren Office in San Francisco habe bereits ein Transaktionsvolumen von 15 Milliarden Dollar mit seiner Software geprüft, heißt es. Größter Kunde ist Visa. „Innerhalb von drei Monaten haben wir hier die Betrugsfälle um 70 Prozent reduziert“, erzählt Laemmle. Geld verdient das Startup über eine Provision pro Transaktion. Wie hoch sie genau ist, will der Gründer nicht verraten.

Und auch über die Kundenzahl des Startups spricht Laemmle nicht. Nur so viel: „Wir haben Kunden in Europa, Israel, USA und Asien.“ E-Commerce-Plattformen und Payment-Dienste gehören zur Zielgruppe. Das frische Kapital solle nun teilweise für den Ausbau der Server-Kapazität eingesetzt werden, so Laemmle. Zudem werde das derzeit dreißig Mitarbeiter große Team ausgebaut.

Max Laemmle und sein israelischer Partner Chen Zamir haben Fraugster 2014 gegründet. Zamir hatte zuvor Erfahrung als Risk Manager bei Paypal gesammelt, Laemmle ist Mitgründer von Better Payment und war bei dem Bezahl-Startup SumUp tätig. Zu den Wettbewerbern zählt unter anderem der IT-Riese FICO, ein Analytics-Software-Unternehmen aus San José, Kalifornien. Ein weiteres Fraud-Management, das auch hierzulande angeboten wird, kommt von SAS.

Bisher brechen viele Webshops Transaktionen automatisch ab, wenn bestimmte Kriterien erfüllt sind, die einen Betrug wahrscheinlich machen. „Angenommen, in der Nacht würde eine russische IP-Adresse bei einer deutschen E-Commerce-Plattform eine Transaktion ausführen wollen,“ erklärt Laemmle. „Dann würde sie mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit geblockt werden.“

Die Künstliche Intelligenz von Fraugster setzt an diesem Punkt an. Sie kann laut dem Gründer innerhalb von 15 Millisekunden bis zu 2.000 Datenpunkte wie Namen und Adressen durchgehen und entscheiden, ob ein Betrugsfall tatsächlich vorliegt. Und sie erkenne auch, wenn es sich um ernstgemeinte Transaktion handle. So können falsche von echten Kaufabsichten unterschieden werden, so Laemmle.

Bild: Fraugster