Foodist bei der Höhle der Löwen

Gesunde Gier und viel zu wenig Schlaf

Es klickt nicht. Irgendwie hat niemand Lust, diese etwas merkwürdigen kleinen Teile zusammen zu klicken. Dabei ist es doch genau das, was die Macher von Clicc im Sinn hatten. Ihren Solarmodule sollen nicht nur Smartphones oder Tablets mit der Kraft des Sonnenlichts aufladen, sondern auch noch Spaß machen. Ein modisches Accessoire sollen die Cliccs eigentlich sein. „Klickkram“, fällt Vural Öger dazu ein. „Grausam verarbeitet“, heißt es. Die Berliner Cliccer sind bedient und fühlen sich einfach nur missverstanden.

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Die Startup-Show Die Höhle der Löwen ist für junge Firmengründer, die hier um Investorengelder kämpfen, nicht immer eine Wellnessveranstaltung. Da stellt sich im Staffelfinale ein gestandener Physiker vor einem Millionenpublikum auf die Bühne – und verhaspelt sich wie ein Schuljunge gleich im ersten Satz. 25.000 Euro wolle er haben, um sein System weiterzuentwickeln, sagt Oliver von Clicc. Da muss ihn sein Partner Andreas gleich mal verbessern: Ähm – es sind 250.000 Euro. Ok. Kleinigkeiten, wenn man eine richtig gute Idee präsentiert. Oder? Man leidet und windet sich auf dem Sofa. Vielleicht doch lieber das EM-Qualifikationsspiel Deutschland gegen Irland schauen? Für den Sender Vox ist die Serie offenbar ein gutes Geschäft. Die Quote stimmt. Es gibt genug Menschen, die dabei zuschauen wollen, wie im Fernsehen Geschäfte gemacht werden. Eine zweite Staffel wird folgen.

Nach der der ersten Enttäuschung für Clicc geht es mit einer richtigen Erfolgsstory weiter. Die Macher von Crispy Wallet sind aus einem anderen Holz geschnitzt. Smarte Jungs, die den Jargon beherrschen. „Geil!“, ist jetzt angesagt. „Richtig geil!“, muss das Produkt sein. Als ein Tablet passgenau in die von ihnen hergestellte Hülle fluppt, gibt es kein Halten mehr: „Schick, Digger!“ Yo, da geht was. Findet auch Löwe Frank Thelen: „Danke für eure Zeit“, sagt er. „War eine gute Session.“ Krass! Da wird „vorangetrieben“, die „Nachfrage bedient“, das es nur so kachelt. Man spürt den gierigen Atem der beiden smarten Macher. Genau das wollen gierige Investoren sehen. Und der gierige TV-Zuschauer auch. Dabei ist es natürlich immer noch „ein sehr langer Weg“. Ja, die „Höhle der Löwen“ ist auch ein Passionsspiel. Eine Tour der Leiden. Nur, wer richtige Schmerzen spürt, kann am Ende siegen. Das ist hier die Message. Dafür gibt es dann aber eine innige Umarmung von Frank Thelen und 100.000 Euro für 40 Prozent der Firma obendrauf.

G Tipp – Lesenswert bei Gründerszene  Jochen Schweizer: „Ich sehe keinen Grund, mein Geld aus dem Fenster zu schmeißen“

Jetzt gibt es kaltes Bier für alle. Nur für die Jury nicht. Anfängerfehler. Für ihre Idee für ein Kühlelement, das passgenau in Bierkisten passt, wollen Thomas und Alex 25.000 Euro Ablösesumme haben. Das kommt bei den Löwen nicht so richtig gut an. „Wie? Und wir sollen dann eure Arbeit machen?“ Thelen ist außer sich: „Ich will doch nicht euren Ärger haben.“ Investoren wollen investieren und verdienen. Aber bitte keine Arbeit und keine Sorgen. Das haben Ice2Go noch nicht so richtig verstanden. „Wir sehen das eher als Kette. Wir können keinen Vertrieb“, versuchen sie es kleinlaut mit Argumenten. Aber das Urteil ist längst gefällt. „Die schlechteste Vorstellung bis jetzt“, raunt Vural Öger, dessen eigene Vorstellung bis jetzt eigentlich auch ziemlich übersichtlich war. Schnell zurück zur Werbung für ein Grippemittel.

Dann kommen zwei Studentinnen aus Hamburg. Sie verleihen für 14 Euro im Monat getragene Kleidung. Nur verdienen sie mit ihrer Kleiderei derzeit leider kein Geld. Oder nur sehr wenig. Trotzdem soll jetzt eine Finanzspritze her, um ins Internet zu expandieren. 70.000 Euro werden dafür benötigt. Der einstimmige Rat der Löwen: Bleibt bei eurem Laden. Eure Idee lässt sich nicht skalieren. Thekla und Pola wirken geläutert. Vielleicht waren diese klaren Worte nötig, damit sie sich wieder intensiver um ihr Studium kümmern.

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Noch ein Abomodell. Aber jetzt sieht die Sache etwas anders aus. Foodist verspricht den Kunden leckere und exotische Lebensmittel. Ein Mal im Monat kommt die Box mit den Leckereien für 24 Euro ins Haus. Gute Idee. Findet auch die Jury. Denn da winken immerhin sieben Euro Gewinn pro Box. Für die Investition von 125.000 Euro fordern die Löwen 25 Prozent der Firma. Auf diesen Schock hin ziehen sich Andreas, Alexander und Ole erst mal zu einer kurzen Beratung zurück. 25 Prozent. Das ist natürlich happig. Nach einer Minute sind sie zurück auf der Bühne und drehen den Spieß einfach mal um. 7,5 Anteile würde sie herausrücken. Mehr nicht. Da gehen die Mundwinkel bei den Herren Thelen und Jochen Schweizer aber ziemlich weit nach unten. Fühlen sich die Herrschaften etwa persönlich angegriffen und unterbewertet? Auch wilde Löwen brauchen manchmal Streicheleinheiten. Aber nicht von Foodist. Kein Geld, kein Deal, keine Investition – aber irgendwie der Sieger des heutigen Abends. Toni Kroos schießt auf dem anderen Kanal gerade das 1:0 für Deutschland.

Ganz am Schluss schauen wir noch kurz bei BELI LUU vorbei. Mutter Maja und Tochter Jovanna stellen eine Lackierhilfe für French Nails her. Was immer das sein mag. Es wird offenbar gebraucht. Für die weitere Verbreitung ihrer Idee benötigen sie ganz dringend 25.000 Euro. Löwin Judith Williams war jedenfalls begeistert und schnappte sich gleich 53 Prozent der Firma. Seit dem wird hergestellt, verpackt, versendet, geschuftet und nur wenig geschlafen. Das dürfen frische Unternehmer auf keinen Fall. Schlafen. Geht gar nicht. Außerdem müssen Mutter und Tochter ihr Produkt jetzt im Shoppingkanal bewerben. Und so erleben wir etwas erschrocken den Besuch der Damen aus Stuttgart im geschniegelten TV-Studio mit. Da gibt es noch einige Anpassungsschwierigkeiten. Die bodenständige Maja und Jovanna passen hier ungefähr so gut hin, wie Pinguine an den Strand von Miami Beach. Da werden noch umfangreiche Lackierarbeiten nötig sein, damit zusammen wachsen kann, was zusammen gehören soll.

Ein paar Minuten später gleichen die Iren in der Nachspielzeit zum 1:1 aus.

Bild: Vox