Corporate und Startups

Corporate-Büro-Gänge vor den Toren Münchens. Draußen sieht es beschaulich aus, drinnen schick, an den Wänden Fernseher. Unterföhring, hier sitzt ProSiebenSat.1. Über 3.000 Mitarbeiter hat der Medien-Konzern, in zwölf Ländern. Auch Startups sind der Gruppe immer wichtiger. ProSiebenSat.1 hat ein Accelerator-Programm, gründete 2013 mit Mato Peric den Inkubator Epic Companies und verfügt mit SevenVentures schon länger über einen Venture-Arm.

Gründerszene traf SevenVentures-Investment-Manager Thomas P. Offner und sprach über seinen Weg zu SevenVentures, darüber, was einen guten Investor ausmacht, über die richtige Zeit für TV-Media und seine Idee, den SevenVentures Pitch Day, bei dem am 14. November auf der Noah Conference Startups sieben Millionen Euro TV-Media gewinnen können, ohne Shares oder Umsatzanteile abzugeben.

„Durch Scheitern lernt man“

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Thomas P. Offner muss sich den Vorwurf, als Investor keine Ahnung vom Gründen zu haben, nicht gefallen lassen. Der Österreicher hat in Wien und St.Gallen BWL studiert und Ende der 90er sein erstes Startup in Oldenburg aufgebaut. Es ging um Unified Messaging und es ging komplett schief. Er bereitete den Börsengang vor. Klar, die Zeit passte. „Die Firma wurde grandios gegen die Wand gefahren“, sagt Offner heute, der damals 26 Jahre alt war. Der Börsengang scheiterte, weil plötzlich niemand mehr an das Internet glaubte. „Ich war schon Excel-Millionär.“

Heute scheint er froh, dass alles anders kam. „Mit den Millionen wäre ich womöglich arrogant geworden. Durch das Scheitern habe ich extrem viel gelernt.“ Danach ging er zu Intel Capital, aber nach dem Platzen der Internetblase wurde kaum noch investiert. Er machte sich wieder selbstständig mit einer M&A-Beratung in Osteuropa. „Da ging noch was.“ Dann kam er über Kontakt zu Ferdinand Karl Piëch zu Audi und entwickelte den indischen Markt weiter. Drei Jahre lang, bis er merkte, dass er eigentlich gar kein richtiger Konzernmensch war.

Er ging zurück nach Wien zu Fatfoogoo als CFO, das war 2007. Ein Jahr später wurde das Startup an Digital River verkauft. Er nahm eine Auszeit, baute ein Weingut auf, dann gründete er Citydeal mit, in Österreich und der Schweiz. Er kannte Oliver Samwer aus der Zeit, in der dieser Alando aufbaute. „Ich mache Dinge aus drei Gründen: For the fun, for the glory und for the money, und zwar genau in dieser Reihenfolge; das habe ich von dem Vater einer Freundin übernommen und deshalb habe ich nach einem guten Jahr wieder aufgehört“, sagt Offner.

ProSiebenSat.1 und die Startups

„Anfang 2012 habe ich für ein Projekt mit ProSiebenSat.1 gesprochen. Und wurde prompt gefragt, ob ich nicht dazu stoßen möchte.“ Konzern, schwierig, dachte sich Thomas Offner, aber das Team überzeugte ihn. Er hatte Lust, Investor zu sein. Einen guten Investor mache Unterschiedliches aus: Erfahrung, aber auch Failure, Marktverständnis und ein gutes Netzwerk in Richtung anderer Investoren und Partner. Die Mentalität anzupacken und umzusetzen. Das alles brachte er mit.

Bei ProSiebenSat.1 hat man vor allem Interesse an großen Themen, für eine breite Zielgruppe. Der ProSiebenSat.1-Geschäftsbereich Digital & Adjacent, zu dem neben Online-Video, Games und Music auch der Bereich Ventures und E-Commerce gehört, gilt als Wachstumstreiber der ProSiebenSat.1-Guppe und erzielte 2012 ein Umsatzwachstum in Höhe von 38,1 Prozent. Zu den Themen gehören unter anderem Travel, Mode, Marktplätze, Dating, Mobile und Education.

SevenVentures-Pitch-Day-Idee

Die Tochter SevenVentures vereint mehrere Geschäftsmodelle: das Media-for-Revenue-Share- und Media-for-Equity-Geschäft, bei dem Unternehmen Werbezeiten gegen Umsatz- oder Firmenbeteiligung erhalten. Modelle, die auch kritisch von Startups hinterfragt werden. Manchmal hört man die Startup-Szene spotten, bei ProSieben oder Sat.1 gebe es fast nur noch Startup-Spots. ProSiebenSat.1 widerspricht dieser Behauptung übrigens.

Die klassische TV-Vermarktung ist nach wie vor das Kerngeschäft von ProSiebenSat.1, mit der das Unternehmen den Großteil des Umsatzes erwirtschafte; den höchsten Wachstumsbeitrag, das dynamische Wachstum, liefere aber das Segment Digital & Adjacent, wobei Ventures & Commerce mit einer Steigerung um 164 Prozent den stärksten Wachstumsbeitrag liefert.

SevenVentures macht aber auch Geld-Investments. So kaufte der Investment-Arm beispielsweise Mydays oder Billigermietwagen.de und erweiterte sein strategisches Portfolio um das Segment Reisen.

Vergangenes Jahr hatte Offner die Idee, eine Art Startup-Pitch auszuschreiben. Der Vorstand fand die Idee gut, und so entschied man sich, auf der Noah Conference in London einen Live-Pitch mit Übertragung auf MyVideo umzusetzen.

Die Idee zum SevenVentures Pitch Day (www.7vpd.com) ist einfach: Sieben Millionen Euro TV-Media-Leistung gibt es zu gewinnen, ohne Abgabe von Shares oder Umsatzbeteiligung. „Der SevenVentures Pitch Day ist eine Art PR-Aktion in eigener Sache“, sagt Offner. „Dadurch wollen wir zeigen, dass TV wirkt. Die Dienstleistung muss sich über TV bewerben lassen und ein B2C-Produkt sein, das man in 30 Sekunden im Spot leicht erklären kann. Die Unternehmen sollten jedoch eine gewisse Größe aufweisen. Es können besonders die Unternehmen von TV-Media profitieren, die ein professionelles Online-Marketing etabliert haben. TV wirkt hier als massiver Beschleuniger“, so Offner.

TV-Media – wann ergibt das Sinn?

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Über 350 Bewerbungen habe es 2012 gegeben. Busuu, die Sprachlern-Community aus Madrid, sicherte sich sowohl den Jury- als auch den Publikumspreis und konnte mit vier Millionen Euro Mediabudget den Heimweg antreten. Mit dem Gewinner aus 2012 sei man nun weiter im Gespräch, sagt Offner. Insgesamt drei Startups bekamen 2012 Media-Budget auf der Noah Conference. Nun geht der Wettbewerb auf der Noah am 14. November in die nächste Runde. Ein Ansatz, von dem sich ProSiebenSat.1 auch internationale Bewerber erhofft.

„Für einen für alle Beteiligten erfolgreichen Media-for-Equity-Deal braucht man eine gewisse Größe. Es gibt sehr viele Faktoren, die mitspielen, wie Programmumfelder, die Zeitschienen, ein kreativer Spot und ein darauf abgestimmtes Online-Marketing. Man muss sich die Frage stellen, wer der richtige Partner ist, auch in Sachen Zielgruppe.“ Der Sender biete auch keine Restplätze an, je nach Zielgruppen wird auch in der Prime-Time geschaltet. Auf Basis von Alter, Einkommen, Geschlecht und so weiter gebe es ein Media-Sizing, das von einem internen Team begleitet wird, so Offner.

Der SevenVentures Pitch Day, vielleicht auch eine Option, die beschleunigende Wirkung eines TV-Media-Budgets zu bekommen.

Bild: ProSiebenSat.1