Supermarkt

Target Partners finanzieren So1 mit siebenstelliger Summe

Das Berliner Startup So1 (www.so1.net) bekommt im Rahmen einer Series-A-Finanzierungsrunde einen siebenstelligen Euro-Betrag vom Münchener Venture-Capital-Unternehmen Target Partners. Das Startup will mit seiner Engine Preispromotions in der Konsumgüterindustrie optimieren. So könnten Hersteller und Händler ihren Kunden individuell berechnete Preisabschläge unterbreiten – anstatt allen Verbrauchern dieselben Rabatte. So1 behauptet, ihre Engine erlaube, „den ROI bis um den Faktor zehn zu steigern“.

Target-Partners-Investor Berthold von Freyberg begründet den Deal mit den potenziellen Kosteneinsparungen für So1-Kunden: „Zwei Drittel der gesamten marktrelevanten Budgets von Konsumgüterherstellern gehen in Sales Promotions, die weitestgehend ineffizient sind und deren Wirkung nicht messbar ist. Das Team von So1 hat das Potenzial, dies radikal zu verbessern.“ Dabei geht es um einen Milliardenmarkt: Gründer Raimund Bau schätzt den Markt für Preispromotionsmarkt allein in Deutschland auf zwölf Milliarden Euro.

„Wir berechnen die Zahlungsbereitschaft von jedem Konsumenten für jedes Produkt in jedem Supermarkt“, beschreibt Bau den Anspruch der So1-Technik. Dafür braucht es Big Data, riesige Datensätze, das sei „methodisch wie rechnerisch sehr anspruchsvoll“. Für seine Kunden – potenziell Hersteller wie Procter oder Henkel – berechnet So1: Was kostet es genau, damit dieser Verbraucher von Ariel zu Persil wechselt? Die Daten kommen von Treueprogrammen und Zahlungsdaten. Zusätzlich kauft das Startup Datensets hinzu, etwa von der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK).

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Derzeit arbeitet So1 zusammen mit der GfK und einer großen deutschen Supermarktkette an der Pilotierung der Technologie. Dabei bekommen Konsumenten per Post (später einmal mobil) ihre individuell berechneten Preise der Woche zugeschickt und gehen damit zur Supermarktkasse. Der erste Test soll in vier bis fünf Wochen abgeschlossen sein. „Bis Anfang nächsten Jahres wollen wir das komplette System bei einem Händler in Deutschland live schalten, 2014 wird ein weiterer Händler dazukommen“, erzählt Bau.

Für Weiterentwicklung und Testing der Technologie sowie die Einstellung von zwei zusätzlichen Mitarbeitern (aktuell ist das So1-Team acht Mann stark) kommt jetzt Geld von den Münchener Target Partners. Dabei hat das Startup nach Baus Angaben mehrere Angebote für Finanzierungen gehabt, sich aber bewusst für Target entschieden.

Die beiden Gründer Raimund Bau und Sebastian Gabel hatten 2010 bereits die Marketing-Beratungsgesellschaft Brand.cision als Spin-Off der RWTH Aachen gegründet. 2013 verkauften sie die Firma an eine Unternehmensberatung. Im vergangenen Jahr riefen sie So1 ins Leben. „So1 ist eine spannendere Aufgabe als gutdotierte Beratungsjobs anzunehmen“, sagt Bau. „Was wir hinbekommen wollen, ist die totale Preisdifferenzierung, also quasi der heilige Gral der Mikroökonomie.“ Klar, dass den auch andere jagen. „PayPal, Mastercard, vielleicht auch Google arbeiten sicherlich an ähnlichen Technologien“, glaubt Bau.

Bild: Namensnennung Bestimmte Rechte vorbehalten von Simon Shek