Steady-compressor

Das Steady-Team, unter anderem mit Gründer Philipp Schwörbel (obere Reihe, rechts)

Crowdfunding ist gut und schön. Doch ist die Kampagne einmal vorbei, versiegt auch der Geldstrom. Vor allem für Langzeitprojekte ist das ein Problem. Ein Problem, das Philipp Schwörbel und seine drei Mitgründer mit ihrem neuen Startup Steady lösen wollen. Sie bieten ein Programm, mit dem jeder Abos für selbst produzierte Artikel, Musik oder Software im Netz verkaufen kann.

Update vom 09.02.2017: Wenige Wochen nach dem Start der offenen Beta-Phase haben neben dem DNI vier Business insgesamt 200.000 Euro in Steady investiert, darunter auch Spreadshirt-Mitgründer Matthias Spieß.

Die Motivation stammt aus den Erfahrungen beim Krautreporter-Projekt, bei dem Schwörbel und Mitgründer Sebastian Esser nach wie vor die Geschäfte leiten. Die Plattform für hintergründigen Journalismus hatte 2014 über 900.000 Euro via Crowdfunding eingesammelt – danach aber große Probleme mit der Anschlussfinanzierung bekommen.

Aus ihren Erfahrungen bei den Krautreportern hätten sie viel gelernt, so Schwörbel. „Wir sind bei Krautreporter an ganz vielen Klippen fast gescheitert.“ Von dem Startkapital seien viele Tausende Euro in die Technik und nicht in journalistische Arbeit geflossen. Insbesondere der Aufbau eines Abo-Services habe Schwierigkeiten bereitet.

350.000 Euro Anschubfinanzierung durch Google

Anfang des Jahres ist nun leise ihr Startup Steady gestartet, das dieses Problem nun auch für andere lösen will. Die Anschubfinanzierung stammt von Alphabets Digital News Initiative. 350.000 Euro hat das Startup erhalten. Mittlerweile sei ein  Business Angel eingestiegen, so Schwörbel. Genauer will er nicht werden.

Anzeige
Zwar ist Steady noch in der offenen Beta-Phase, erlaubt es aber Programmierern, Youtubern, Aktivisten, Journalisten, Dokumentarfilmern, Musikern oder anderen Publishern schon jetzt, monatliche Unterstützer-Abos an interessierte Kunden zu verkaufen. Manche bieten dafür exklusive Inhalte oder andere Prämien an. Die Abo-Preise legen die Inhalte-Produzenten selber fest.

„Weil die Leute häufig Krautreporter kennen, denken sie unser Service sei nur für Journalisten“, sagt Schwörbel. „Wir richten uns aber an alle, die über eine inhaltliche Arbeit eine Community aufgebaut haben. Alle, die im weitesten Sinne publizieren.“ Diese können einen Javascript-Code in die eigene Webseite einbinden. Ruft ein User diese dann auf, erscheint am unteren rechten Rand ein aufklappbares Fenster, über das User die Macher mit Abokäufen unterstützen können.

Steady nimmt zehn Prozent Provision

Auf der Steady-Webseite können Abo-Verkäufer zudem eine Kampagnenseite mit Videos und Projektbeschreibung anlegen – ganz ähnlich wie auf Crowdfunding-Seiten von Kickstarter, Startnext oder Indiegogo. Zeitlich begrenzt sind die Steady-Kampagnen jedoch nicht.

Refinanzieren will sich Steady über eine Provision von zehn Prozent am Abo-Preis. Dafür stellt das Startup die Technik und erledigt Abrechnung und Versteuerung. „Das ist ein riesiger Rattenschwanz, um den wir uns kümmern,“ sagt Schwörbel. Da Überweisungsdienste wie Paypal zudem Pauschalen pro Überweisung verlangen, erhält der Publisher von einem Abo über fünf Euro durchschnittlich 4,30 Euro – abzüglich der Umsatzsteuer. Bei kleineren Abo-Preisen sinkt die Marge.

Zwei der prominentesten Nutzer der Steady-Plattform sind der Behinderten-Aktivist Raúl Krauthausen und das Schmalbart-Projekt, das sich als Gegenpol zum vielleicht nach Deutschland expandierenden rechtspopulistischen US-Portal Breitbart etablieren möchte. Zusammen haben sie bisher Abos für insgesamt 2.200 Euro pro Monat verkauft. Jährlich sind das immerhin über 26.000 Euro.

Schwörbel: „Fünf Prozent der Community sind bereit zu zahlen“

Anzeige
Doch um User erst einmal für eine Sache zu gewinnen, muss er auf das Angebot aufmerksam gemacht werden. Wer schon eine Community in den sozialen Medien aufgebaut hat, dürfte damit weniger Schwierigkeiten haben. „Unserer Erfahrung nach sind fünf Prozent der Community bereit zu zahlen“, sagt Schwörbel.

Trotzdem bleiben Zweifel, warum Menschen bereit wären, für etwas zu zahlen, das sie ohnehin meist kostenlos im Netz bekommen. „Das fragen sich 95 Prozent der User eines Angebots auch”, bestätigt Schwörbel, verweist aber auf die restlichen fünf. Für diese seien zwei Gründe entscheidend: Zum einen der Wunsch, etwas möglich zu machen und – wie in einem Club – exklusive, handfeste Prämien zu bekommen. „Zum anderen zahlen die Unterstützer dafür, Teil einer Community zu sein,” sagt Schwörbel. „Und fünf Euro pro Monat tun niemandem weh.” Weil Abos zudem selten gekündigt werden, so Schwörbel, würden aus fünf Euro im Monat schnell 60 Euro im gesamten Jahr. Damit ließe sich als kleiner Publisher ja schon etwas anstellen.

Bild: Steady