Taxi-Startups in Deutschland

Der Taximarkt galt lange als eingestaubt und fest in der Hand innovationsablehnender Taxizentralen – trotzdem haben sich schon vor Jahren junge Unternehmer dem Thema angenommen. Langsam scheinen Taxi-Apps dank ausreichend angebundener Fahrzeuge und genereller Smartphone-Dichte den Mainstream zu erreichen. Um den fast vier Milliarden Euro großen Taximarkt bemühen sich viele Anbieter mit unterschiedlichen Modellen – wie unterscheiden sich MyTaxi (www.mytaxi.net), Taxi.eu (www.taxi.eu) oder der Newcomer Colexio (www.colexio.de)?

Taxi-Apps – Ein Milliardenkuchen

Ob nach durchzechter Nacht schon wieder an der U-Bahn-Endstation aufgewacht oder einfach entnervt vom Klima an deutschen Bushaltestellen: Smartphone-Nutzer scheinen immer öfter zur App zu greifen, um sich eine Taxifahrt zu gönnen. Nach längerer Anlaufphase entwickelt sich der anfangs belächelte Markt der mobilen Taxi-Bestellung stetig – in den vergangenen Jahren bildeten sich unterschiedliche Geschäftsmodelle heraus, die versuchen, sich den lukrativen Markt aufzuteilen. Erst vor wenigen Tagen ging mit Taxi.de zudem ein vermeintlich neuer Wettbewerber an den Start.

Die Anfänge der Taxibestellung per App liegen circa fünf Jahre zurück, als mit Cab4Me eine der ersten Lösungen die automatische Ortsbestimmung integrierte. 2009 dann erreichte mit dem deutschen Marktveteranen MyTaxi eine der ersten Apps die damaligen Smartphonenutzer. Ungefähr zur selben Zeit bezifferte das Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung den Taximarkt in Deutschland auf ein Marktvolumen von 3,7 Milliarden Euro, wobei pro Jahr über 400 Millionen Fahrten von mehr als 50.000 Fahrzeugen abgewickelt werden. Anreiz genug für mehr als ein Team, sich sein Teil am Kuchen zu sichern.

Die Messgröße der Markführerschaft scheint im Markt der Taxi-Apps unklar zu sein und führt zwischen den Konkurrenten nicht selten zu Unstimmigkeiten, die ein wenig an die Hahnenkämpfe zwischen den deutschen Lieferdiensten erinnern: „Andere Apps werben oft mit der Zahl der teilnehmenden Fahrer“, bemängelt Taxi.eu-Chef Hermann Waldner auf der Firmen-Website. „Da kommen große Zahlen zustande, die aber nichts aussagen, denn auf jedes Taxi kommen statistisch etwa zweieinhalb bis drei Fahrer“.

Taxi.eu behauptet, mit mehr als 40.000 Taxis zu kooperieren. Konkurrent MyTaxi hingegen sieht sich mit 1,7 Millionen Downloads und 15.000 angeschlossenen Taxis an der Spitze des Teilnehmerfeldes – bedingt durch Unterschiede im Geschäftsmodell möglicherweise zurecht?

Taxizentralen treten auf die Bremse

Als MyTaxi-Gründer Sven Külper 2009 die „Taxi-Revolution“ ausrief, bedienten die etablierten Taxizentralen das Klischee und gaben sich reaktionär und abweisend möglichen Kooperationen gegenüber. „Sie schließen uns von Veranstaltungen aus (Taxi Tag Hannover), vermitteln den Fahrern, die neben den Zentralen auch MyTaxi benutzen, keine Fahrten mehr und drohen ihnen darüber hinaus mit Ausschluss“, erzählt Külper im Gründerszene-Interview.

Um die verschiedenen Geschäftsmodelle der Taxi-Apps zu verstehen, genügt ein Blick auf den klassischen Taximarkt: Taxifahrer besitzen entweder ihr eigenes Taxi oder teilen sich einen Wagen mit mehreren anderen Fahrern. Die Fahrer arbeiten in der Regel für Taxiunternehmen, die einzene Städte oder ganze Regionen abdecken.

Taxizentralen nehmen Bestellungen auf und verteilen diese wiederum an die Fahrer kooperierender Taxiunternehmen, hierfür berechnen die Zentralen ein Pauschale von circa 500 Euro pro Monat und Taxi oder rechnen pro vermittelter Fahrt ab. Mitunter sind die Zentralen auch direkt Betreiber der zugeordneten Taxiunternehmen.

Wenn auch wenig innovativ, ist die anfängliche Reaktion der Zentralen gegenüber Anbieter wie MyTaxi durchaus verständlich, schalten diese die Zentralen schließlich aus und vermitteln Fahrten direkt an die Fahrer. Andere Wege gehen Anbieter wie Taxi.eu, die europaweit die Taxizentralen in den Bestellprozess einbinden, diese an ihrem Umsatz beteiligen und den Markt so deutlich schneller erschließen können.

Neue Modelle attackieren die Platzhirsche

Einige große und viele kleine Anbieter streiten in Deutschland um ihr Stück am Taxikuchen und schlagen hierbei unterschiedliche Wege ein. Größte Stellschrauben sind die Integration der Taxizentralen und die Möglichkeit des Taxisharings. Einige Anbieter im Porträt:

MyTaxi | Gründung: 2009

Das Unternehmen startete in Hamburg unter dem Namen 1TouchTaxi, firmiert aber seit den ersten Erfolgen unter dem heutigen Namen. Mit der App für Android und iOS können Nutzer mit einem Klick ein Taxi bestellen und sich über Preis und Fahrer informieren. Die App läuft direkt über das Smartphone des Taxifahrers und schaltet somit die Zentralen aus. Anfang 2012 stiegen neben den Altinvestoren T-Venture (www.t-venture.de) und der KfW Bankengruppe (www.kfw.de) die Daimler-Tochter Car2go (car2go.com) und Lars Hinrichs beim mobilen Taxi-Service ein. Seit kurzem bietet MyTaxi ebenfalls die Zahlungsabwicklung per Smartphone an: Voraussetzung sind zwei Endgeräte und ein PayPal- oder Visa-Konto. Das Startup verlangt vom Fahrer eine Vermittlungsgebühr von 79 Cent (netto), für die mobile Bezahlung kommen noch einmal 21 Cent plus 3,9 Prozent des Fahrpreises hinzu.

Taxi.eu | Gründung: 2011

Die Taxi Pay GmbH aus Berlin verstärkte sich vor einigen Monaten um die Wiener FMS Systems GmbH und will die Verbreitung der Mobile- und Web-App Taxi.eu vorantreiben. Um schnell Reichweite aufzubauen, kooperiert die App mit den Taxizentralen und zählt nach eigenen Angaben zur Zeit 40.000 Taxen in 60 europäischen Städten zu seinem Portfolio. Neben der beeindruckenden Reichweite will die App sich durch die Berücksichtigung besonderer Kundenwünsche wie Kindersitze oder die Zahlungsmethode von der Konkurrenz absetzen.

Taxi.de | Gründung: 2012

Aus dem Projekt Taxibutton wird Taxi.de und somit ein scheinbar neuer Konkurrent im Taxi-Markt. Die App ist für alle Beteiligten kostenlos und bindet die Zentralen ein, indem sie sich für 290 Euro plus monatliche Wartungskosten in Höhe von 10 Euro eine eigene App (per Baukastenprinzip) erstellen können. Finanziert wird Taxi.de vom Gelbe Seiten-Verlag, dem Twago-Geldgeber Euro Serve Media sowie dem Internet-Unternehmer Thomas Promny.

Colexio | Gründung: 2012

Das Startup Colexio (www.colexio.de) startete im Februar dieses Jahres am Münchener Flughafen und versucht, Taxisharing auch in Deutschland zu etablieren. Die Taxivermittlung ist sowohl für Fahrer als auch für Fahrgast kostenfrei, letzterer zahlt nur bei erfolgreicher Vermittlung einer Sammelfahrt eine Gebühr, die jedoch deutlich unter der Ersparnis liegt. Löst Colexio ein Problem, an dem schon Größen wie Edmund Stoiber scheiterten?

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Bildmaterial: Paul Sparkes / Wikimedia Commons