Bernhard Gschwantner, Gründer von Unser Wein, kann den Nutzen seiner App nicht erklären

Was macht man bloß, wenn niemand das eigene Produkt versteht? So tun, als wären die anderen einfach blöd? Rot anlaufen? Vor diesem Problem steht in der vierten Folge von „2 Minuten 2 Millionen“ das Startup Unser Wein. Der Name ist leicht zu verstehen, aber viel mehr weiß der Zuschauer nach der zweiminütigen Präsentation von Gründer Bernhard Gschwantner eigentlich nicht.

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„Es ist der Weinkeller für die Hosentasche“ oder „Wir wollen den Weinkeller in eine App gießen“, so versucht Gschwantner sein Produkt zu pitchen. Aha. Auch die Investoren sitzen ratlos in ihren Sesseln. „Was kann ihr Produkt? Wir haben das noch nicht geschnallt“, entgegnet Marketing-Expertin Marie Hélène Ametsreiter. „Probieren sie es noch mal.“ Gschwantner setzt zu neuen Erklärungsversuchen an. Schließlich versucht Jury-Mitglied Hans Peter Haselsteiner das Produkt zu erklären. Offenbar mit Erfolg. Aber sollte das der Gründer selbst nicht besser können?

Gschwantner hätte gerne 150.000 Euro für 15 Prozent der Firmenanteile. Am liebsten würden die Macher von Unser Wein Jury-Mitglied und Promi-Winzer Leo Hillinger überzeugen. Doch auch Hillinger ist verwirrt. Müsli-Experte Heinrich Prokop erkennt den Ernst der Lage: „Wenn der Hillinger das schon nicht versteht, verstehe ich das als Müsli-Mensch erst recht nicht.“ Gschwantner muss ohne Deal die Bühne verlassen. Immerhin: Hillinger sichert ihm Hilfe und Beratung zu.

G Tipp – Lesenswert bei Gründerszene  Hier kann die vierte Folge 2M2M noch einmal angesehen werden

Jessica Bauer vom Hundesitter-Startup Cnuddl wünscht sich 150.000 Euro für zehn Prozent der Anteile. Ihr Startup soll – ähnlich wie das Berliner Startup Leinentausch – Hundesitter mit Hundebesitzern zusammenbringen, die beispielsweise in den Urlaub fahren und ihren Hund abgeben wollen. Cnuddle ist zwar erst vor wenigen Tagen mit 300 Hundesittern live gegangen, soll aber schon 1,5 Millionen Euro wert sein, wie Bauer schätzt. Die Jury hält das für maßlose Selbstüberschätzung. Bauer wird von den Juroren regelrecht fertiggemacht.

Cnuddl will pro Vermittlung verdienen, tägliche Foto-Updates vom Hundesitter sollen den Besitzer beruhigen. Doch die Jury glaubt nicht an das Konzept: „Ich sehe hier keinen Wert“, meint Ametsreiter. „Cnuddle kann ich von der technologischen Seite her sehr leicht kopieren“. Gründerin Bauer versucht, mit einer Haustier-Hotline und einer Versicherung zu argumentieren. Die Investoren schauen weiterhin kritisch. Dramatische Musik. Gequälte Gesichter.

Bauer erkennt, dass ihr Konzept gar nicht gut ankommt. Und Heinrich Prokop legt noch einen drauf: „Entschuldigung, Sie bewerten Ihr Unternehmen mit 1,5 Millionen Euro und sind erst in diesen Tagen live gegangen. Haben sie da nicht ein Glaubwürdigkeitsproblem?“, poltert er. „Sie können mit so einem Ansatz nicht reingehen. Das zeigt für mich auch eine unrealistische Einschätzung ihres Business Modells generell.“ Bauer hat nichts mehr zu lachen. Sie muss ohne Deal nach Hause fahren.

Etwas besser kommt Cornelia Mayer von Topfreisen an. Ihr Startup liefert Mahlzeiten, die von Flüchtlingen zubereitet werden. So wird den Flüchtlinge eine Chance gegeben, einer Beschäftigung nachzugehen und die Kunden können Gerichte aus fremden Kulturen testen. Sie schafft es, ihr Projekt kurz und knackig zu erklären. Eine Köchin zeigt, wie die Gerichte aussehen können. „Ihr habt sensationell rübergebracht, was die Vorteile für beide Seiten sind“, lobt Marie Hélène Ametsreiter.

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Bisher wurde Mayer von Freunden und der Familie unterstützt, jetzt sucht sie neue Förderer. Allerdings will die Gründerin gar kein bares Geld, sie will erst einmal beweisen, dass ihr Konzept funktioniert. Stattdessen sucht sie nach Mentoren und Sponsoren.

Da sind die Juroren sofort dabei: Heinrich Prokop schenkt ihr 20.000 Müsli-Portionen, die sie als Goodies mitschicken will. Leo Hillinger verspricht, für 10.000 Euro Essen für seine Wein-Shops zu bestellen. Und Ex-Strabag-Chef Haselsteiner verspricht, das Catering für Firmenveranstaltungen zu nutzen. Marie Hélène Ametsreiter vereinbart einen mehrtägigen Marketing-Crashkurs mit Mayer. Und dann kündigt der ProSiebenSat.1-Investmentarm SevenVentures noch an, auf Puls 4 über das Projekt zu berichten. Geht doch.

Bild: Nick Albert