Ali Mahlodji, 32, Gründer von Whatchado

Ali Mahlodji, 32, Gründer von Whatchado

Whatchado: Jobdating- und Recruiting-Startup

Ali Mahlodji hat gerade sein größtes Idol getroffen: Jimmy Wales, den Wikipedia-Gründer, der auf DLD-Konferenz in München gerade sein neues Projekt vorgestellt hat. Ali ist einfach hingegangen zu Jimmy, hat ihn angesprochen und gesagt, dass er ihn zu seiner eigenen Startup-Idee inspiriert habe. „Wales war sehr nett, aber was soll er auch sagen, da waren so viele andere Leute“, erzählt er.

Mahlodji ist der Gründer von Whatchado (www.whatchado.com), das er zum Wikipedia der Lebensläufe ausbauen will. „Whatchado soll eine Plattform werden, auf der jeder Mensch der Welt seine Jobgeschichte in einem Video erzählt“, erklärt er.

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Klingt noch größenwahnsinniger als WhatsApp-Gründer Jan Koum, der sein Programm auf jedes Smartphone der Welt bringen will. Schließlich hat WhatsApp schon 430 Millionen Nutzer, Whatchado ist ein noch kleines Jobdating-Startup aus Österreich. Aber jetzt gibt es das erste Mal ein ordentliches Funding, fast eine Million Euro von prominenten österreichischen Investoren: Brigitte Ederer, bis Herbst 2013 Personalchefin bei Siemens, Claus Raidl, Präsident der österreichischen Nationalbank, und Peter Püspök, Vorsitzender der Genossenschaft Oikocredit.

Auf Whatchado berichten Arbeitnehmer, Selbständige und Politiker über ihre Jobs und ihre Biografie. Vom Busfahrer bis zum österreichischen Bundespräsidenten. In kurzen Videos beantworten sie sieben Fragen: Was steht auf deiner Visitenkarte? Wie ist dein Werdegang? Worum geht es in deinem Beruf? Ginge dein Beruf auch ohne deinen Werdegang? Was ist das coolste an deinem Beruf? Was ist die Einschränkung an deinem Beruf? Drei Ratschläge an dein 14-jähriges Ich?

Durch die Standardfragen werden die Interviews vergleichbar, findet Mahlodji, das bietet eine Orientierung für Jobeinsteiger. Mehr als 80 Unternehmen aus drei Ländern haben bereits mitgemacht.

Dabei war das alles anfangs so gar nicht geplant. „Wir hatten zu Beginn kein Business-Modell“, sagt Mahlodji. Whatchado war ein Verein und eine selbst zusammengezimmerte Plattform, mit der der Österreicher sich einen Jugendtraum ermöglichen wollte. „Kennst du diese Poesiealben und Freundebücher, in die jeder seine Lieblingstiere und Bücher schreiben musste?“, fragt er. „So etwas wollte ich von jedem Menschen, ein großes dickes Buch, in dem jeder seine Lebensgeschichte erzählen kann.“ 15 Jahre alt ist er damals, „alle haben mich ausgelacht und gesagt, das gehe nicht. Dann habe ich gesagt, das baue ich.“

Flüchtling, Schulabbrecher, Gründer

Mahlodji kommt als Flüchtling aus dem Iran, wächst in Österreich auf, bricht ein halbes Jahr vor dem Abschluss die Schule ab („Ich war einfach nicht vom Bildungssystem überzeugt“), lernt programmieren, arbeitet in einer Werbeagentur. 2011 kauft er sich eine Videokamera und legt mit vier Freunden los. Aus der Buchidee wird eine Video-Internet-Idee: Whatchado. „Wir haben im Juni 2011 17 Videos gedreht und online gestellt.“ Kurz darauf berichtet der ORF über die Idee. „Am nächsten Tag riefen McDonald’s und andere Unternehmen an und fragten, ob sie dabei sein können“, berichtet Mahlodji.

Plötzlich hat er ein Geschäftsmodell. Unternehmen zahlen, um ihre Mitarbeiter vorstellen zu können und so Bewerbern künftige Kolleginnen und Kollegen zu zeigen. Mahlodji lernt Österreichs wichtigsten Business Angel kennen: Johann Hansmann, der auch Runtastic mit angeschoben hat, in das Medizinportal Diagnosia und die Diabetiker-App mysugr investiert hat. „Nach 15 Minuten hat er gesagt, wenn du willst, werde ich euer Business Angel.“ Er wird es.

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Mahlodji beschließt, seinen Job zu kündigen, „meine Mutter hat einen Monat lang geweint“, und stürzt sich voll auf Whatchado. Es geht ratzfatz. Im Januar 2012 gründet er mit seinen Kollegen, zehn Unternehmen wollen sie in diesem Jahr als Kunden gewinnen. Am Ende sind es 35. 2013 kann er die Zahl mehr als verdoppeln. Trotzdem will er an seinem Grundsatz festhalten: „Für jedes bezahlte Video machen wir ein unbezahltes. Wenn wir nur Großunternehmen auf der Website hätten, würden wir unglaubwürdig. Darum werden wir auch weiter Schneckenzüchter und Gärtner interviewen.“

Längst hat er die Funktionen der Website erweitert, zum Beispiel um einen Dating-Service. Jobsuchende werden anhand ihrer Interessen mit den passendsten Videos zusammengebracht.

Whatchado wächst, gewinnt den UN World Summit Award und 2013 den Deutschen Preis für Onlinekommunikation. Jetzt will Mahlodji mit dem Geld der Investoren die Internationalisierung vorbereiten. Die Domain Whatchado.com hat er einem New Yorker Künstler abgekauft, in Deutschland gibt es bereits erste Kunden wie die Deutsche Bahn – und die EU hat ihn zum Jugendbotschafter auf Lebenszeit ernannt. Auf Vorschlag der österreichischen Bundesregierung. „Auch geil als Schulabbrecher, oder?“, sagt Mahlodji.

Bild: Alex Hofmann/Gründerszene