Das war das Ideas-Führungstrio: Ulrich Machold, Michael Paustian, Daniel Keller (von links)

Springer ordnet Startup-Entwicklung neu

Seit etwa zwei Jahren werkelt bei Axel Springer das interne Startup-Ideenlabor Ideas an neuen digitalen Geschäftsmodellen, lange Zeit im Verborgenen, seit Oktober 2013 und dem Launch des ersten Projekts, dem kuratierten Onlineshop The Iconist, auch öffentlich.

Nun, nach 15 Projekten, wovon acht bis zum Launch gelangten, beerdigt der Konzern zumindest eine der beiden Ideas-Abteilungen: Der Inhouse-Inkubator Ideas Ventures wird aufgelöst, die bestehenden und auch zwei noch in Planung befindlichen Projekte sollen allerdings weitergeführt werden – im Rahmen des normalen Springer-Beteiligungsmanagements oder der Verlagsmarken.

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Die zehn Mitarbeiter der Ideas-Ventures-Zentrale, die von Ulrich Machold und Michael Paustian geführt wurde, werden auf die Ventures verteilt oder gehen in die Marken zurück.

Die zweite Abteilung, die Technologie-Abteilung Ideas Engineering unter der Leitung von Springer-CIO Daniel Keller, soll hingegen fortbestehen und für den gesamten Verlag weiter Plattformen bauen und Produkte entwickeln. „Wir sind wirklich weit gekommen“, erklärt Keller. Er habe über 80 Software-Spezialisten eingestellt, „die technisch sehr stark sind, agile Prozesse beherrschen und die uns helfen, die Kultur im Konzern in Richtung Digitalisierung zu verändern. Das wollen wir so weiterführen.“ Keller will das Team sogar weiter ausbauen, „allerdings nicht mehr in dem Tempo wie bisher“.

In den vergangenen Monaten hatte Axel Springer Ideas bereits an der Bereinigung seines Portfolios gearbeitet. Die Rabatt-App Last Minute Local wurde im August eingestellt, Anfang Juli musste das Second-Screen-Startup TunedIn Insolvenz anmelden, auch die Gutschein-App PrepaidBILD hat nicht überlebt. Beim Onlineshop The Iconist, dessen Zukunft lange ungewiss war, soll es nach Gründerszene-Informationen weitergehen. Im Portfolio befanden sich zuletzt außerdem noch die Bonus-App Shopnow, das iPad-Geschichtsmagazin Epos, das Prominenten-Wiki Celepedia sowie die Nachrichten-App Kompakt.

Ideas-Co-Chef Michael Paustian gesteht ein: „Wir haben unglaublich viel gelernt, natürlich haben wir an vielen Ecken ganz klar auch Fehler gemacht.“ Man habe aber merkliche Fortschritte erreicht, „wenn man sich anschaut, wie lange wir für die ersten Projekte gebraucht haben, und wie schnell zuletzt zum Beispiel die Kompakt-App an den Start ging. Zwischen Vorstandsbeschluss und Launch lagen nur sieben Wochen.“

Trotzdem ist klar: Startup-Produktion nach dem Fließbandprinzip wird es bei Springer zumindest innerhalb des Verlagshauses nicht mehr geben. „In Zukunft werden wir nicht mehr systematisch und fließbandmäßig neue Sachen entwickeln, sondern opportunistisch aus dem Konzern heraus“, erklärt Paustians Kollege Ulrich Machold.

Hat sich das Verlagshaus mit dem Plan eines Inhouse-Inkubators übernommen? Gesteht man sich ein, dass die Bilanz der vergangenen zwei Jahre eher mager ist? Oder ist die Einheit innerhalb von Springers ausufernden Digitalaktivitäten schlicht überflüssig geworden? Machold spricht zunächst davon, dass es nach zwei Jahren Experimentieren nun um die Konsolidierung des Portfolios gehe. Er sagt aber auch: „Es hat zum einen nicht so gut funktioniert, wie wir das gewollt und von uns selber erwartet hätten.“ Zum anderen habe sich der Konzern „rasant verändert“.

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Machold verweist auf das Accelerator-Programm Plug and Play und den Company Builder Project A, bei dem Springer vor einem Jahr mit 30 Millionen Euro einstieg, zudem investiere der Verlag „direkt in journalistische Inhalte“. Das heißt: „Projekte von innen am Fließband in der Frequenz und mit dem Kapitalbedarf zu entwickeln, passt strategisch nicht mehr dazu.“

Trotzdem müssten „innovatorische Impulse aber weiter auch und gerade aus dem Haus und seinen Marken kommen“, so Machold. Sein Kollege Paustian zieht dann auch eine versöhnliche Bilanz nach zwei Jahren Experimentieren am Inhouse-Inkubator: „Axel Springer Ideas hat dem Konzern viele Impulse gegeben und neue Prinzipien etabliert. Die Innovationsfreude und -kraft ist ungetrübt.“

Bild: Axel Springer; Disclaimer: Axel Springer ist Gesellschafter der Vertical Media GmbH, dem Medienhaus von Gründerszene. Weitere Informationen zur Vertical Media GmbH hier: www.vmpublishing.com.