Ideen-Investor

Accelerator-Sprint versus Ideen-Marathon

Ein Geld-, Know-how-, Netzwerk- und Rat-Geber allein für die richtige Idee und den passenden Gründungswillen – mit diesem Versprechen tritt nun die Crowd-Angel Venture Capital Management GmbH (www.crowd-angel.vc) aus Hamburg auf. Mehr sein als nur der x-te Accelerator oder Inkubator, so werben die Crowd-Angel-Macher Dennis Schäfer und Volker Schulenburg. Aber wie will sich ein Förderprogramm bei dem großen Spektrum an Acceleratoren und Inkubatoren, für die sich Startups inzwischen bewerben können, noch abgrenzen?

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Die Antwort von Crowd-Angel: Man setze seinen Fokus auf eine fünfjährige (!), statt einer dreimonatigen Startup-Förderung. Gründungswillige erhalten demnach Zugang zu Netzwerken und Hilfe von Mentoren, sowie ein Startkapital in Höhe von 25.000 Euro, ohne dass ein Unternehmen bereits gegründet, ein Team komplett oder ein Prototyp erstellt worden sein muss. Außerdem verpflichten sich stattliche 64 Mentoren aus verschiedenen Ländern pro Finanzierungsrunde vertraglich, den Gründern mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.

Als einige der ersten 37 ausgewählten Mentoren stellen sich beispielsweise Guido Hegener von Lakeside Ventures, Nico Flemming von der Webconia GmbH, Florian Backhaus als Partner der BAS Investment GmbH und Jesko Breuer, der bereits als CEO von Dress-for-Less und SevenVentures tätig war, zur Verfügung.

15 Prozent Anteile an den Garagen-Gründungen

Was kommt beim selbsternannten „Finanzier der wirklichen Garagen-Gründungen“ tatsächlich auf die Gründungswilligen zu? Und können so viele Mentoren- und Investoren- Beteiligungen nicht auch negative Auswirkungen für die Gründer haben? Denn wie sollen Kompetenzen und Anteile zum Großteil in Gründerhand bleiben, wenn zusätzlich zu den Abgaben an die Mentoren des Crowd-Angel-Programms auch im Zuge der geplanten Crowdfunding-Runden über die drei großen Plattformen Companisto , Seedmatch und Innovestment die Beteiligungen an den Startups mehr und mehr verwässert werden?

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Was die Gründer zu Beginn abgeben, sind stolze 15 Prozent der Anteile an ihrem zuküntigen Unternehmen. Das ist definitiv mehr, als bei vielen neu gestarteten Accelerator-Programmen – üblicherweise werden dort nämlich fünf Prozent als Gegenleistung verlangt. Dafür erhielte man bei Crowd-Angel dann aber eine Mentoren-Förderung, die vom Frühphasen-VC-Geber selbst mit 125.000 Euro bewertet wird, wirbt der Anbieter. Die Beteiligungen der Mentoren und Investoren aus Unternehmertum im On- und Offline-Bereich, sowie später hinzukommende Beteiligungen über Crowdfunding-Investoren, sollen durch eine übergeschaltete Beteiligungsgesellschafts geregelt werden und sich allein auf die 15 abgegebenen Prozent verteilen.

Worin Crowd-Angel nicht mit Accelerator- oder Inkubatoren-Programmen mithalten kann, sind Büro- und Arbeitsräume. Diese werden nämlich nicht zur Verfügung gestellt. Auch der Kontakt und Support der 64 Mentoren für 16 Startups – pro Finanzierungsrunde – wird häufig über elektronische Verbindungen und eben nicht vor Ort stattfinden, da die Startups sich über ganz Deutschland und die Mentorenschaft sich über den ganzen Erdball erstrecken soll.

Auf Investorenseite konnte Schäfer bislang den Berlin-Startup-Academy-Gründer Christoph Räthke gewinnen. Es wird sich zeigen, ob auch Gründungswillige bei den genannten Anteils-Abgaben und nicht vorhandenen Büro- und Arbeitsangeboten das Crowd-Angel-Projekt den gängigen Accelerator-Programmen vorziehen werden.

 

Bild: Bestimmte Rechte vorbehalten von  Howdy, I’m H. Michael Karshis