Ein Beitrag von Uli W. Fricke, Geschäftsführerin von FunderNation sowie Gründerin und Geschäftsführerin der Triangle Venture Capital Group.

Das neue Kleinanlegerschutzgesetz tritt am 1. Juli in Kraft. Viel diskutiert wurde, was die geänderten Pflichten für Anbieter von Kapitalmarktprodukten heißen. Doch was bedeutet die Reform für die Nutzer von Crowdfunding-Plattformen – und wie wird sie das Investitionsverhalten beeinflussen? Fest steht: Für Crowdinvestoren wird sich das Anlage-Erlebnis in den Portalen ändern.

Die Gesetzesänderungen zeigen, dass die Bundesregierung das Finanzierungsinstrument Crowdfunding für innovative Unternehmen und Projekte stärken will. Unternehmen sollen weiterhin die zusätzliche Finanzierungsquelle, neben klassischen Bankdarlehen oder Venture Capital, nutzen können. Nun müssen Crowdfunding-Portale dafür Sorge tragen, dass Investoren während des Investitionsprozesses über Risiken informiert und aufgeklärt werden, entsprechend dem Gesetz. Das hat aus Sicht der Anleger folgende praktische Auswirkungen:

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10.000-Euro-Grenze für Privatpersonen

Ein Anleger darf maximal 10.000 Euro pro Anlagebetrag investieren. Ab einem Anlagebetrag von 1.000 Euro muss ein Investor in Form einer Selbstauskunft gegenüber der Plattform bestätigen, dass er über ein Vermögen von mindestens 100.000 Euro verfügt, beziehungsweise maximal zwei Netto-Monatsgehälter investiert. Die Form dieser Erklärung, auf Papier oder elektronisch, ist dabei nicht vorgeschrieben. Es kann davon ausgegangen werden, dass die elektronische Form ausreicht. Wie potentielle Anleger mit der Frage zu ihren finanziellen Verhältnissen umgehen, die bald im Investitionsprozess auftauchen wird, bleibt abzuwarten.

Höhere Investitionen nur für Kapitalgesellschaften

Insbesondere Business Angels äußerten den Wunsch nach einer Ausnahmeregel für Investitionen über 10.000 Euro für „professionelle Investoren“. Diesem Wunsch wurde Rechnung getragen; die Unternehmensformen  GmbH, AG und KgaA können dank eines „höheren Professionalitätsstandards“ auch zukünftig jenseits der Anlageschwelle investieren. Warum der Gesetzgeber die Ausnahme nur für Kapitalgesellschaften vorsieht, ist aber nicht nachvollziehbar. Anderweitige, übliche Abgrenzungskriterien würden sich durchaus anbieten. Für viele Investoren entsteht so trotz Investitions-Know-How und verfügbarer Investitionssumme eine große Hürde: die Gründung einer Kapitalgesellschaft, bevor eine Investition über 10.0000 Euro getätigt werden kann.

Crowdfunding bis 2,5 Millionen Euro ohne Prospektpflicht möglich

Kapitalsuchende Unternehmen sollen einer Prospektpflicht ab einem Betrag von 2,5 Millionen Euro unterliegen. Das ist eine erhebliche Verbesserung verglichen mit den Gesetzesentwürfen, die noch eine Grenze von einer Million vorsahen. Außerdem wird die deutsche Crowdfunding-Branche im europäischen Vergleich nun doch nicht schlechter gestellt wie zuerst vermutet. Größere Projekte, wie etwa Immobilien oder erneuerbare Energien, können sich so im Crowdfunding etablieren – ohne, dass ein zeit- und kostenintensiver Verkaufsprospekt erstellt werden muss. Das Crowdkapital kann somit direkt in das Projekt fließen anstatt in Anwalts- und Regulierungskosten von bis zu 50.000 Euro.

Auch für soziale und gemeinnützige Projekte gibt es eine beachtliche Erleichterung: Sofern ein Projekt keine Vergütung erhält und der gewährte Zinssatz 1,5 Prozent nicht übersteigt, können bis zu zehn Millionen Euro eingesammelt werden.

Vermögensanlagen-Informationsblatt

Jeder Investor soll pro Investment in ein Crowdfunding-Projekt ein vierseitiges Vermögensanlagen-Informationsblatt erhalten, das bestätigt werden muss. Die Bestätigung kann vollständig auf elektronischem Wege erfolgen, sofern die Identität des Anlegers zweifelsfrei erkennbar ist. Das ist der Fall, wenn der Anleger ein Profil auf einer Crowdfunding-Plattform angelegt hat und die Kenntnisnahme des Vermögensanlagen-Informationsblatts, ähnlich der AGBs, per Anklicken einer Box auf der Internetseite bestätigt.

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Warnhinweise und Widerrufsrecht statt Werbeverbot

Weiterhin dürfen Kapitalanlagen in Crowdfunding-Projekte beworben werden, unabhängig von Werbemedium und -kanal, also auch in sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter. Allerdings müssen Investoren deutlich auf die erheblichen Risiken, die mit dem Angebot verbunden sind, hingewiesen werden. Die Formulierung des Warnhinweises ist gesetzlich vorgegeben: „Der Erwerb dieser Vermögensanlage ist mit erheblichen Risiken verbunden und kann zum Verlust des eingesetzten Vermögens führen.“ Eine weitere Schutzmaßnahme ist ein 14-tägiges Widerrufsrecht, von dem Investoren Gebrauch machen können. Außerdem wird die Verjährung von Ansprüchen, beispielsweise bei Vertragsverstoß, auf ein Minimum von drei Jahren geregelt.

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Fazit

Das Kleinanlegerschutzgesetz bringt eine Professionalisierung für das deutsche Crowdfunding mit sich – und Crowdfunding hat großes Wachstumspotential hierzulande. Damit dieses Wachstum nachhaltig erfolgen kann, ist es wichtig, dass durch professionelle Arbeit und Strukturen das Vertrauen der Investoren dauerhaft gewonnen werden kann. Im Jahr 2014 ist der deutsche Crowdfunding-Markt um 114 Prozent auf 140 Millionen Euro gewachsen. Das ganze Potenzial offenbart sich allerdings erst im internationalen Vergleich, denn das Vereinigte Königreich verzeichnet bereits 2,3 Milliarden Euro Investitionen aus der Crowd (The European Alternative Finance Benchmarking Report, University of Cambridge, 2015).

Bild: © panthermedia.net / sandor gyori