Rocket-Chef Oliver Samwer an der WHU im Jahr 2015

Gewohnt große Dimensionen bei Rocket Internet: Die Berliner Firmenfabrik verkündet das erste Closing des sogenannten „Rocket Internet Capital Partners Fund“ – über 420 Millionen US-Dollar. Nach eigener Einschätzung legt Rocket damit den größten europäischen Internetfonds und einen der größten europäischen Fonds für Wachstumsfinanzierungen auf.

Bereits im vergangenen Sommer berichtete unter anderem die Wirtschaftswoche, der Konzern bastele an einem solch neuen Vehikel unter dem Arbeitstitel „Rocket Internet Growth Fund“. Damals hieß es, Rockets Ziel sei es, eine Milliarde Euro einzusammeln. Die Gerüchte kommentierte der Konzern damals nicht – die Summe des jetzt aufgelegten Fonds ist aber deutlich niedriger als die offenbar einmal angestrebte Summe.

Rocket Internet selbst hat zu dem Fonds, der in Luxemburg registriert ist, 50 Millionen US-Dollar beigetragen. Der Konzern geht davon aus, den gesamten Umfang in weiteren Closings noch erhöhen zu können. In der Mitteilung heißt es: „Aufgrund des hohen Interesses von Investoren wird mit weiteren signifikanten Zusagen zeitnah gerechnet.“ Mindestens neun Jahre soll der Fonds laufen. Welche Investoren bisher neben Rocket Geld gegeben haben, verrät der Konzern auf Nachfrage von Gründerszene nicht.

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Der Fonds soll in Beteiligungen von Rocket investieren und damit den Portfolio-Startups helfen, an Kapital zu gelangen. Ziel: die Abhängigkeit von Finanzierungsrunden mit Drittinvestoren erheblich zu reduzieren.

Dadurch werde die unternehmerische Flexibilität der Portfoliofirmen deutlich verbessert, lässt sich Rocket-Chef Oliver Samwer zitieren. „Der Finanzierungsprozess unserer Portfoliounternehmen wird durch den Fonds weiter optimiert. Der Kapitalzugang für unsere Unternehmen wird künftig weniger von Investments einzelner Co-Investoren abhängen.“

Dass solche Abhängigkeiten die eigenen Pläne durchkreuzen können, hat sich erst kürzlich beim gescheiterten Börsengang der Rocket-Beteiligung HelloFresh gezeigt. Rockets Investment-Partner Kinnevik soll den von Oliver Samwer forcierten IPO über Anwälte im Rocket-Aufsichtsrat aufgehalten haben.

Rocket betont in der aktuellen Mitteilung, dass der bisherige Fokus des eigenen Geschäfts unverändert bleibe: Er liege weiterhin darauf, Rendite durch Unternehmungsgründungen zu erzielen. Der neue Fonds soll sich daher nicht an Finanzierungen für Startup-Gründungen beteiligen, sondern lediglich an Wachstumsfinanzierungen in späteren Phasen.

Rockets massiv angeschlagener Aktienwert, der in den letzten Tagen neue Rekord-Tiefs erreichte, erholte sich am Dienstagmorgen leicht und stieg um knapp ein Prozent auf 18,55 Euro (Stand: 10:30 Uhr). Allerdings liegt auch dieser Preis noch deutlich unter dem Ausgabepreis von 42,50 Euro.

Bild: Gründerszene