Delivery Hero 40 Millionen

Mit 80 Millionen im internationalen Wettbewerb

Mit einer neuen Finanzierungssrunde von 40 Millionen Euro verschafft sich die Berliner Delivery-Hero-Gruppe (www.deliveryhero.com) neue Finanzkraft im Wettbewerb der Lieferdienstvermittler. Mit den letzten Kapitaleinlagen von Kite Ventures (www.kiteventures.com), dem Venture-Debt-Anbieter Kreos Capital (www.kreoscapital.com) und anderen Altinvestoren hat sich die Gesamtinvestitionssumme des Netzwerks für Online-Essenbestellungen wie zuvor schon vermutet auf 80 Millionen Euro verdoppelt. Im Rahmen der vorhergegangenen Finanzierungsrunden hatten sich Runet, Tengelmann Ventures, Kite Ventures, Holtzbrinck Ventures (www.holtzbrinck-ventures.com), Point Nine Capital (www.pointninecap.com) und Team Europe (www.teameurope.net, auch an Gründerszene beteiligt) engagiert.

Über die Bestell-Plattformen in Deutschland (www.lieferheld.de), England (www.hungryhouse.co.uk), Schweden, Finnland, Polen, Österreich, Schweiz, Russland, Australien, Mexiko, China und Südkorea wurden bisher erfolgreich mehr als 32 Millionen Mahlzeiten aus 21.000 Restaurants geliefert, weiß das seit 21 Monaten aktive Unternehmen zu berichten. Mit dem neuen Kapital soll insbesondere das internationale Wachstum der Gruppe finanziert werden, lässt sich Delivery-Hero-Co-CEO Fabian Siegel zitieren. Die Gruppe beschäftigt zurzeit über 400 Mitarbeiter weltweit – die Mehrheit davon arbeitet von der Berliner Unternehmenszentrale aus.

Kapitalintensives Geschäftsmodell

Zur Jahresmitte hatte Delivery Hero unter dem Namen Yogiyo einen Ableger in Südkorea gestartet, vor zwei Wochen dann wurde die Expansion nach China angekündigt. Leicht werde die Marktbearbeitung in dem Land nicht werden, hatte sich Markus Fuhrmann zitieren lassen – mit dem neuen Kapital sind zumindest die finanziellen Möglichkeiten deutlich größer.

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Dass der internationale Wettbewerb der Lieferdienst-Vermittler nicht nur des öfteren mit harten Bandagen ausgetragen wurde, sondern auch viel Geld verschlingt, wird – neben dem Griff zu Venture Debt – auch am Kapitalhunger der Delivery-Hero-Wettbewerber deutlich: Zur Jahresmitte deckte sich etwa Herausforderer Lieferando (www.lieferando.de) mit 16 Millionen Euro von der australischen Macquarie-Gruppe ein. Im Januar hatte Take Away, das niederländische Mutter-Unternehmen von Lieferservice.de (www.lieferservice.de), eine Finanzierung über 13 Millionen Euro aufgenommen und eine Werbeoffensive in Deutschland gestartet.

In Großbritannien hatte sich die Just-eat-Gruppe, die sich gerne als weltgrößter Lieferdienst-Vermittler darstellt, bereits im Mai dieses Jahres 48 Millionen Euro unter anderem von Index Ventures (www.indexventures.com) gesichert – nicht zuletzt, um nach der Übernahme der dortigen Nummer zwei Hungry House durch Delivery Hero gegen den deutschen Konkurrenten gewappnet zu sein (hierzu auch ein Gründerszene-Interview). Seit dem Einstieg in Frankreich durch die Übernahme des lokalen Anbieters Alloresto ist Just-Eat in mehr als einem Dutzend Ländern aktiv.

Hohe Werbekosten

Vor allem die Werbekosten für Kunden dürften im Lieferdienste-Segment sehr hoch sein. Neben teurer Fernseh- und Plakatwerbung treiben die Wettbewerber dem Vernehmen nach auch die Preise für Google-Anzeigen in die Höhe. Bedenkt man weiter, dass neben den Entwicklungskosten für die jeweilige Plattform und entsprechende Mobile-Versionen womöglich noch mitunter erhebliche Anwaltskosten für den harten Wettbewerb anfallen, kann das Geschäft schnell teuer werden.

Für das erste Quartal 2012 hatte Delivery Hero gemessen an rund 600.000 abgegebenen Bestellungen im März einen Anstieg um 84 Prozent vermeldet. Der geschätzte jährliche Marktumsatz wurde damals auf gut 250 Millionen Euro beziffert. Die deutsche Tochter Lieferheld hatte sich nach zunächst lauten Tönen um die Marktführerschaft hierzulande wieder etwas bescheidener gegeben: “Wir wollen in zwölf Monaten Marktführer in Deutschland sein”, hieß es im Mai. Die neuen Mittel wird also auch der deutsche Ableger gut nutzen können – neben Großbritannien ist Deutschland einer der umkämpftesten Märkte in Europa.

Bildmaterial: Petra Bork, Oliver Weber / pixelio.de