Offlinegänge 2012 Halbjahr

Nicht immer wird eine gute Idee auch zum kommerziellen Erfolg. Wenn sich Internet-Startups verabschieden, liest man nur selten viele Worte über die interessanten W-Fragen. „Diese Domain steht zum Verkauf“ oder schlicht „404“ ist nicht selten alles, was bleibt. Gründerszene zeigt, welche Internet-Startups im ersten Halbjahr 2012 offline gingen.

Verkaufsuns (*Januar 2011, Neustart im Juni 2012)

Anfangen soll die Liste mit einem Modell, dass nach einem Relaunch eine neue Chance bekommt: Gut ein Jahr hatte sich das Recommerce-Startup Verkaufsuns am Markt gehalten, dann war eine Zwangspause angesagt: Die Plattform stand mitsamt seiner Domain zum Verkauf – bei Ebay. Der Preis wurde festgesetzt auf 8000 Euro. Anfang Juni dieses Jahres kam dann die erfreuliche Meldung: Verkaufsuns geht mit neuem Geschäftsmodell wieder online. Das Unternehmen war ursprünglich im Januar 2011 an den Start und hatte es von Beginn an mit Wettbewerbern wie ReBuy (www.rebuy.de) und Flip4New (www.flip4new.de) aufzunehmen.

SevenSnap (*September 2009, Pause seit Februar 2012)

„Bald geht’s weiter.“ So heißt es auf der Seite des webbasierten Schnäppchendienstes SevenSnap (www.sevensnap.com), der lediglich ein einzelnes Angebot präsentiert. Aktiv ist das Unternehmen allerdings nicht mehr im Netz vertreten. Gründer Tobias Hieb hatte zuletzt im April dieses Jahres gegenüber Deutsche Startups von einer Auszeit gesprochen, nachdem es um SevenSnap bereits seit einer Weile still geworden war. Die Social Media-Kanäle des Projektes sind schon seit Ende Januar verstummt. Das Modell unterschied sich stark von dem anderer Portale: Für den Aufenthalt im virtuellen „Schnäppchenraum“ mussten die Nutzer pro Minute zahlen.

Picopay (* August 2010, †Juni 2012)

Im Sommer 2010 hatten sich Ulf Bögeholz und Andreas Stehling daran gesetzt, eine Innovation für die Bezahlung kleinpreisiger digitaler Inhalte zu schaffen. Unternehmer-Investoren wie Thomas Promny konnten für das Startupprojekt Picopay gewonnen werden. Das Jungunternehmen habe es „nicht geschafft, die großen Kunden an Land zu ziehen, sich mit der Idee bei Verlagen durchzusetzen“, hieß es von den Gründern. Bögeholz ist mittlerweile CTO bei Taxi.de (www.taxi.de), Stehling selbst wollte seine neuen Projekte noch nicht verraten.

Bamarang (*Januar 2012, †Juni 2012)

Der Kampf der Design-Shoppingclubs ist in Deutschland längst zu einem kraftvollen Schlagabtausch avanciert, doch nun scheint es bereits ein erstes und erwartetes Opfer zu geben: Wie Gründerszene exklusiv berichtete, wurde der unter großen Kontroversen gestartete Samwer-Shoppingclub Bamarang zugunsten der hausinternen Konkurrenz Westwing (www.westwing.de) eingestellt.

Styles Club (*Juni 2011, †Juni 2012)

Genau ein Jahr nach Gründung war das E-Commerce-Startup Styles Club schon wieder Geschichte, seit Juni 2012 ist die Seite offline. Über eine Facebook-App und den Open Graph wollte Styles Club seinen Nutzern nach Social-Commerce-Manier Kaufempfehlungen unterbreiten. „Wir haben es jedoch nicht geschafft ausreichend Kunden an unsere Plattform zu binden„, ließ sich Gründer Malte Schulze zitieren. Zuletzt beschäftigte Styles Club zehn Mitarbeiter und erhielt Unterstützung vom Berliner Inkubator Springstar (www.springstar.com).

Youmusic24 (*September 2009†Juni 2012)

„Wegen technischer Probleme gerade nicht erreichbar. Wir arbeiten an einer Lösung“ – mit diesem Hinweis werden die Nutzer der Seite Youmusic24 derzeit begrüßt. Der Grund für die Einstellung des Geschäftsbetriebs wurde im Juni 2012 bekannt: Der bisherige Gesellschafter Media Ventures (mediaventures.de) ist bei dem Münchner Unternehmen ausgestiegen. Gut ein Jahr zuvor war Media Ventures bei Youmusic24 eingestiegen und hatte seine Beteiligung mp3.de mit eingebracht. Seit der Einstellung von Youmusic24 wird mp3.de wieder als eigene Marke geführt.

Froodies (*März 2009, †Mai 2012)

Gerade erst waren mit Allyouneed und MyTime neue Online-Supermärkte gestartet, hatte der Wettbewerber Froodies (www.froodies.de) aufgeben müssen: Am 16. Mai wurde laut Bekanntmachung des Amtsgerichts Düsseldorf das Insolvenzeröffnungsverfahren über das von Ingo Bohg und Gründer Lutz Preußners geführten Startups in die Wege geleitet. Seitdem liegt das Geschäft brach, die Webseite wurde bereits offline geschaltet – „Wir bauen für Sie um!“ heißt es dort bis heute optimistisch. Angeblich konnte die geplante zweite Finanzierungsrunde aufgrund „zusätzlichen Abstimmungsbedarfs“ der Investoren nicht abgeschlossen werden.

Aka-aki (*April 2008, †Mai 2012)

Das Gründerteam von Aka-aki schickte die App nach vier Jahren Arbeit in Rente, seit dem 1. Juli 2012 ist die Plattform offline. Das Berliner Gründer-Team bestehend aus Gabriel YoranRoman HänslerStefanie HoffmannBastian PfisterFlorian HadlerLukas Hartmann, Felix Kanz und Anja Kielmann versuchte seit 2008 Fremde zu Feunden zu machen, scheiterte aber nach hartem Kampf an der kritischen Nutzermasse. Die Idee der UDK-Studenten war gut, aber der Markt noch nicht bereit.

MyOn-ID (*2007, †April 2012)

Die MyOn-ID Media GmbH stellte im April das Produkt ein, das ihr einst den Namen gab: das Monitoring-Tool MyON-ID (www.myonid.de). 2007 starteten Mario Grobholz und Kollegen den Dienst, zur „Überwachung […] der eigenen Personenmarke„. Doch die Nutzer interessierte viel mehr die Überwachung des Internets im Allgemeinen. Nun konzentrieren sich die Münchner auf das 2011 gestartete Secure.me – eine Art „Antivirenschutz“ für das Facebook-Profil.

United Commerce (* März 2010, †Februar 2012)

Im Februar dieses Jahres ging UnitedCommerce (www.unitedcommerce.de) endgültig offline. Das Startup um die Onlineshops Chefgourmet.de, 12vinos und Geschenkpaket.de hatte bereits Ende Januar einen Insolvenzantrag beim Amtsgericht Hamburg gestellt. In der Vergangenheit hatten die Shops vor allem mit unzufriedenen Kunden aufgrund von Lieferengpässen zu kämpfen. Brachen die Deal-Aktionen mit Groupon und DailyDeal UnitedCommerce das Genick?

Wein der Woche (*April 2011†Februar 2012)

Wein der Woche, Wein-StartupEs ist kein gutes Zeichen, wenn die Webseite eines Startups nur noch ein „Oops“ vermeldet und die sozialen Kanäle schon seit einigen Monaten ausgetrocket sind: Das von Alexis Hue gegründete Wein der Woche (www.weinderwoche.com) gibt es nicht mehr. Bereits Mitte Februar wurde die Wein der Woche GmbH sang- und klanglos aufgelöst. Gleichzeitig hatte Project A Ventures (www.project-a.com), der mit Otto-Kapital ausgestattete neue Inkubator von Christian Weiss & Co., mit Wine in Black (www.wine-in-black.de) einen ebenfalls auf den Online-Weinhandel ausgerichteten Versender unter seine Fittiche geholt. Das Modell per se scheint also durchaus Charme zu haben.

Stockdoo (*April 2011, †Februar 2012)

Nie das Licht der Welt erblickt hat das Aktienforum Stockdoo. „Bald geht’s los“ stand lange Zeit auf der Startseite von Stockdoo geschrieben. Doch dazu kam es nicht. Noch vor dem eigentlichen Marktstart wurde das Unternehmen aufgelöst. Trader und Investoren sollten sich über Stockdoo austauschen. 400.000 Euro hatte die Zürcher Innovo Finance Group bis dahin in Stockdoo gesteckt, zu der geplanten Millionenfinanzierung kam es nicht mehr.

The Chicken (*November 2010, †Januar 2012)

Auch die Produktplattform TheChicken musste Zahlungsunfähigkeit anmelden, wie ein entsprechender Eintrag im Handelsregister verriet. Das Unternehmen war aus Shopotainment hervorgegangen und wollte Produkte mit Produkterlebnissen verbinden. The Chicken war dabei der Schüttelreim des Wortes Checkin – Menschen konnten ähnlich wie bei Geodiensten Badges sammeln. Langfristig hatte The Chicken auch Marktforschung betreiben sollen. Offline seit Januar 2012.

Megaupload (*2005, †Januar 2012)

Seit Januar 2012 ist der von dem Deutsch-Finnen Kim Schmitz (aka Kim Dotcom) verantwortete Filehoster Megaupload Geschichte. Im Auftrag der US-Behörden wurde Schmitz zusammen mit drei Kollegen verhaftet. Bei seinem Modell, Inhalte anzubieten und Künstler trotzdem zu entlohnen, „vergaß er offenbar, in die Verwertungskette auch die Unterhaltungsindustrie mit einzubeziehen„.

Miosato (*Dezember 2010, †Januar 2012)

Nur etwas älter als ein Jahr wurde der Online-Shop Miosato – Anfang des Jahres ging er wieder offline. „Die Gläubiger der Gesellschaft werden aufgefordert, sich bei ihr zu melden“ – mit diesem Handelsregistereintrag nahm die nur kurze Geschichte von Miosato ihr Ende. Ende 2010 war der Online-Shop mit Luxusartikel aufstrebender Designer an den Start gegangen. Doch auch mit der Unterstützung von Holtzbrinck Ventures (www.holtzbrinck-ventures.com) ging das Konzept nicht auf. Zuletzt beschäftigte Misosato rund 20 Mitarbeiter. Die Domain Miosato.com leitet mittlerweile zu dem Müncher Online-Shop Stylebop.

Mylugo (*November 2009, †Dezember 2011)

Bereits Ende 2011 hatte der Online-Shop Mylugo Insolvenz angemeldet. Schon im Gründungsjahr 2009 soll der Jahresfehlbetrag dem Vernehmen nach über 900.000 Euro betragen haben. Das von Matthias Schmitz, Holger Meyer, Torsten Bade und Johanna Elliot gegründete Unternehmen wollte den Fokus auf Sicherheit legen und entwickelte unter anderem ein Treuhandsystem. Bei all dieser Technik-Lastigkeit hatten die Mylugo-Macher vor allem eines vergessen: Dem Kunden ein gutes Shopping-Gefühl zu geben.

Bildmaterial: Dieter Schütz / pixelio.de