German Startups Group Samios Gerlinger

Die Köpfe der German Startups Group: COO Nikolas Samios (links) und CEO Christoph Gerlinger

German Startups Group: Fokus auf FinTech

Die German Startups Group, laut einer Studie einer der aktivsten VCs in Deutschland, ist neue Beteiligungen an drei FinTech-Unternehmen sowie an dem AdTech-Startup Remerge und der Business-Lösung DemoUp eingegangen. Finanzielle Details zu den einzelnen Investments wollte man allerdings nicht verraten. Im Portfolio des Berliner Investors befinden sich bereits bekannte Digitalunternehmen wie Delivery Hero, Amorelie, SoundCloud oder Wundercar, mit dem Verkauf des AdTech-Startups Fyber konnte die GSG im vergangenen Jahr einen erfolgreichen Exit verbuchen.

Den neuen Investmentfokus auf FinTech habe man nicht ohne Grund: Dem Bereich misst die Gruppe in den kommenden Jahren enormes Wachstumspotenzial zu – insbesondere wegen der Versäumnisse traditionellen Finanzwirtschaft der vergangenen Jahre: „Kaum eine Branche hat neben dem Verschlafen von Technologie- und Nutzungstrends auch noch dank diverser Krisen und Skandale so ein schlechtes Image aufgebaut“, betont GSG-CEO Christoph Gerlinger gegenüber Gründerszene.

G Tipp – Lesenswert bei Gründerszene „Wir wollen nicht zocken” – Christoph Gerlinger im Interview

Einen allzu engen Bezug zum traditionellen Bankgeschäft will Gerlinger der FinTech-Branche auch gar nicht zumessen. Der Großteil der FinTech-Startups biete vielmehr neue, ergänzende oder punktuelle Produkte an, die meist besser, einfacher, zugänglicher und preiswerter sind – insbesondere per Smartphone. Bislang haben sich junge FinTech-Startups allerdings meist auch aus Bereichen herausgehalten, für die aufwändige Regularien gelten und besondere Banklizenzen notwendig sind.

Savedo ist ein unabhängiger Marktplatz für Festgeldanlagen in Europa. Das Unternehmen ist das erste Startup aus dem neuen FinTech Company Builder FinLeap.

Mit CRX Markets, Betreiber eines Marktplatzes für verbriefte Lieferantenforderungen, wurde eine Beteiligungsvereinbarung getroffen. Der Marktplatz soll es Lieferanten ohne Einschaltung eines Intermediärs, also zum Beispiel einer Factoringbank, ermöglichen, ihre Forderungen gegen ihre Kunden gebündelt zu verbriefen und automatisiert einen Bieterwettbewerb zwischen institutionellen Anlegern als Käufer zu veranstalten.

Ein noch nicht namentlich genanntes Startup soll den aufwändigen aktiven Asset-Management-Prozess, der bisher von Anlageberatern geleistet wird, durch einen intelligenten und kosteneffizienten Software-Algorithmus ersetzen.

Auf der Plattform von Remerge lassen sich App-Nutzer in bestimmte Zielgruppen einteilen – die anschließend in anderen Apps per Real Time Display Advertising mit personalisierten Kampagnen weltweit erreicht werden können.

DemoUp verfolgt nach eigenen Angaben das Ziel, das Einkaufserlebnis in E-Commerce-Shops zu optimieren, indem Kunden mithilfe von Videos die Funktionsweise eines Produkts aus verschiedenen Blickwinkeln bildlich näher gebracht wird und dadurch Fragen beantwortet und so Konversionsraten stark verbessert werden können.

Ziel der German Startups Group ist es eigentlich, „einen möglichst breiten Querschnitt der Erfolg versprechendsten deutschen Startups abzubilden“. Ein Fokus auf FinTech passe dennoch zu dieser Ausrichtung, verteidigt COO Nikolas Samios den Investitionsschwerpunkt, auch wenn dieser Bereich in der Startup-Szene derzeit noch nicht besonders breit vertreten ist: „Natürlich sind anzahlmäßig FinTech-Startups etwa im Verhältnis zu E-Commerce noch eher rar. Da viele Märkte noch nicht verteilt sind, ist nun die Zeit für Investments.“

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Mit den neuen Beteiligungen hat die Gruppe innerhalb von nicht einmal zweieinhalb Jahren Märktpräsenz ein Portfolio von 40 Beteiligungen aufgebaut. Ob bei dem Tempo auch auf Qualität geachtet werden kann? Die Macher meinen: Ja. Bei 40 aus 6.000 in der DACH-Region aktiven Startups könne man guten Gewissens von harter Selektion sprechen, so Samios. Einen Gang zurück schalten will die Gruppe auch nicht, auch wenn ein zunehmender Teil der Transaktionen innerhalb des Portfolios stattfinden werde. „Und ab und zu scheidet ja auch mal eine Beteiligung wieder aus, durch Exit oder Untergang“, so CEO Gerlinger.

Einen Punkt betont die German Startups Group gerne, der sie von anderen Investoren unterscheidet: explizit auch Anteile aussteigender Altgesellschafter („secondary shares“) zu erwerben. CEO Gerlinger erklärt, warum das so ist: „Wir verschaffen frühen Investoren, Business Angels oder ausgeschiedenen Gründern für ihre Startup-Anteile Liquidität, bekommen dafür oft tolle Beteiligungen, das Unternehmen eine Bereinigung des Cap Table und einen Investor, der auch weitere Runden begleitet und unterstützt.“

Den Beteiligungen wolle man dabei mehr als nur Geld bieten. „Wir wollen unseren Rat nicht aufzwingen, sondern auf Abruf bereitstellen“, betont COO Samios. Aber auch ganz konkrete Formen könne das annehmen. „Im Moment arbeiten wir zusammen mit unserer Beteiligung Exozet an einem technischen und kreativen Angebot für unsere anderen Beteiligungen“, fügt Gerlinger hinzu. Über dieses sollen zukünftig Leistungen von der App-Programmierung bis zur Performance-Marketing-Kampagne abgerufen werden können.

Einen Mangel an Kapital sieht man bei der German Startups Group übrigens nicht. Gerlinger: „Wir beobachten eigentlich keine wirklichen Probleme unterhalb der größeren Finanzierungsrunden ab fünf Millionen Euro.“ Gleichwohl wäre durchaus Luft nach oben, in Sachen Venture Capital sei Deutschland ein Entwicklungsland. Gemessen am Bruttosozialprodukt stehe hierzulande weniger als ein Achtel der USA und auch weniger als in vielen europäischen Nachbarländern zur Verfügung.

Bild: German Startups Group