Unbekannte Samwer Investments


Aufbauhilfe in Deutschland, Spray and Pray in den USA

Die Samwer-Brüder Alexander, Marc und Oliver dürfen wohl als umtriebigste Seriengründer Deutschlands, wenn nicht sogar der Welt gelten. Und ähnlich aktiv, wie sie mit ihrem Firmeninkubator Rocket Internet über die Jahre waren, fielen auch ihre Investmentaktivitäten aus, die sie entweder privat, über den European Founders Fund oder über ihren jüngsten Fonds Global Founders Capital vornahmen.

Mit dem Verkauf ihres Ebay-Klones Alando am 15. Juni 1999 war das Brüdertrio erstmals in jene wirtschaftlichen Regionen vorgestoßen, die das Investieren in andere Unternehmen erlaubte und auch der für 273 Millionen US-Dollar erfolgte Verkauf ihrer zweiten Gründung Jamba lieferte dem Brüdertrio das notwendige Material, um die deutsche Internetszene zu fördern.

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So richtig an Fahrt gewinnen sollte das Samwer’sche Investorendasein jedoch mit der Entstehung des European Founders Fund im November 2005. Der durch den Tiger-Global-Macher Lee Fixel und United Internet finanzierte Fonds sollte die Antwort der Samwers auf das bisherige Investmentverhalten der Szene darstellen und fokussierte sich nicht nur auf zahlreiche deutsche Gründungen, sondern ebenso auf US-Startups, denen die Samwers ihr Expansions-Know-how in Europa anboten.

Oliver Samwer hatte dazu eine klare Vorstellung entwickelt: Hatte ein US-Unternehmen ein Investment durch einen großen amerikanischen Geldgeber gewonnen oder war durch eine Investmentbank finanziert worden, galt es auch für den EFF zu investieren. Was dabei bisher keiner ahnen sollte: Auf diese Weise kamen eine Reihe von Beteiligungen zustande, von denen bis heute niemand so recht wusste. Denn die Investment-Trips der Samwers wurden für ihre Intensität berühmt, allein bei einer US-Reise soll das Brüder-Trio 50 Millionen Euro für Beteiligungen aufgebracht haben.

Dass die Samwers bei ihren Investmentaktivitäten gerne auch schon mal exotische Konzepte finanzierten, machte spätestens ihre Finanzierung des Biogasunternehmens Cowatec deutlich. Und auch sonst traute sich das Brüdergespann aus Köln an die unterschiedlichsten Modelle heran. Ihre Performance variierte dabei recht stark, fiel unter dem Strich aber positiv aus.

Neben einigen Unternehmen, die bereits kurz nach dem Samwer-Einstieg eine Restrukturierung verkündeten, fanden sich auch potente Exits, die von der deutschen Öffentlichkeit aber oft praktisch unbemerkt blieben. Darunter etwa der Verkauf von Buddy Media für stolze 689 Millionen Dollar an Salesforce oder Concurs Übernahme von TripIt für 120 Millionen Dollar. Interessant ist vor allem die Vielfalt, mit der die Samwers investierten und dass es ihnen gelang, durchaus auch an erfolgreichen Gründungen über unterschiedliche Segmente hinweg zu partizipieren. Ihre Spray-and-Pray-Taktik sollte sich mit der Orientierung an erfolgreichen US-Geldgebern insgesamt tatsächlich bezahlt machen.

Dies sind einige der Gründungen, die dabei weitestgehend unter dem Radar geblieben sind:

Antikörper-Online

Antikörper-Online ist eine deutsche Plattform für Forschungsantikörper, zu der die Samwers über ihren Marketing-Experten Florian Heinemann gelangten, der das Projekt über seine Professorentätigkeit kennen lernte und seither unterstützt. Glaubt man dem Flurfunk der Branche, soll sich Antikörper-Online durchaus positiv entwickeln, und seit dem Februar 2007 partizipieren davon auch die Samwers.

Become

Become ist ein Vergleichs-Shoppingportal aus den USA, in das die Samwers mit dem EFF im Juli 2008 investierten und das bisher noch keinen Exit verzeichnet hat. Seit seiner Entstehung 2004 hat das Unternehmen aus Sunnyvale, Kalifornien bisher rund 37,2 Millionen Dollar Funding eingestrichen, wobei zumindest auch VentureBeat in einer kleinen Fußnote aufgefallen war, dass sich der EFF beteiligt hatte.

Buddy Media

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In Buddy Media, einen Entwickler von Social-NetworkingApps, investierten die Samwers im April 2008, wohl noch inspiriert durch ihre zahlreichen Erfolge im Segment, wie etwa StudiVZ, Lokalisten oder Nasza-Klasa. Und das Konzept ging auf: Buddy Media wurde im Juni 2012 für stolze 689 Millionen Dollar von Salesforce übernommen und dürfte den Samwers damit einen potenten Exit beschert haben. In Deutschland war der Riesen-Exit mit Samwer-Beteiligung kaum bemerkt worden, zumindest Gigaom hatte aber kurz über die Beteiligung der Samwers berichtet.

CareerConcept

CareerConcept ist jenes Investment, das Oliver Samwer auf einer Konferenz einmal als „beschissenstes Investment seiner Karriere“ bezeichnet haben soll. Der Bildungsfonds aus Deutschland hatte es sich zum Ziel gemacht, Studenten Darlehen zu vergeben und anschließend bei der Rückzahlung über die Zinsen zu verdienen.

Im April 2007 waren so auch die Samwers als Investoren an Bord gekommen, nachdem sich jedoch das Fundraising der unterschiedlichen Fonds als schwierig erwiesen haben soll, gleich zwei Investoren kurz vor Abschluss einer Einigung absprangen und der Gründer angeblich bereits nach drei Monaten das Vorhaben verließ, rastete Oliver Samwer aus. Die Beteiligung wurde als einziges EFF-Investment rückabgewickelt und machte Oliver Samwer noch Jahre danach wütend.

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Quelle der Finanzierungsdaten – soweit nicht anders genannt: CrunchBase.
Bild: © panthermedia.net / Aleksandar Mijatovic

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